“Emotiondancer” von E.F. v. Hainwald

Verlag: GedankenReich Verlag

ISBN: 978-3966987608

Softcover: 384 Seiten

Release: Oktober 2020

Genre: Utopie, Science-Fiction

Teil einer Reihe: Spin-off zu Cyberempathy

 

© Klapptext, Zitat- und Coverrechte: GedankenReich Verlag

Vorweg möchte ich mich noch ganz herzlich für das bereitgestellte Rezensionsexemplar bedanken.

Laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag dadurch unter „Werbung“!

Beschreibung:

Die Frage nach dem »Warum« hatte schon immer die Macht,
ganze Nationen zugrunde zu richten – oder denjenigen, der sie stellt.

Unsere Zukunft erstrahlt in makellosem Glanz. Die Menschheit arbeitet darauf hin, einen Evolutionssprung zu machen, die Sterne sind zum Greifen nah. Wissenschaft, Industrie und Kunst verschmelzen zu einem Gesellschaftssystem, das alle Schwächen überwunden hat. Nicht zuletzt durch das Cybernet – die digitale Vernetzung der Emotionen.

Kaja hat keine Kontrolle über sich. Sie leidet schon ihr ganzes Leben lang an massiven Gefühlsausbrüchen. Der Sturm dieser Emotionen löscht ihre kostbarsten Erinnerungen aus – ihr Selbst droht vernichtet zu werden. Als sie dadurch ihre Mitmenschen in Lebensgefahr bringt, beginnt sie in ihrer verblassten Vergangenheit zu graben, doch sie stößt auf eine eiserne Mauer des Schweigens.

Einen Ausweg bergen womöglich die Tiefen des Cybernets. Um dort einzudringen, benötigt Kaja jedoch die Hilfe von Menschen, die sich gegen die Prinzipien der Gesellschaft auflehnen. Aber  kann sie so jemandem überhaupt vertrauen?

Auf ihrer Jagd nach Antworten offenbart sich schnell, dass manche Schleier vielleicht lieber ungelüftet bleiben sollten. Kann Kaja Erlösung finden oder wird sie an der Wahrheit endgültig zerbrechen?

Schillernde Utopie und kritische Science-Fiction – willkommen im Solarpunk.

Ein Roman, der erneut das Tor zur Welt von »Cyberempathy« aufstößt.

Dieses SpinOff kann unabhängig vom Hauptroman gelesen werden.

Mein Eindruck:

Mit „Cyberempathy“ traf E.F. v. Hainwald bei mir einen Nerv. Für mich war die Geschichte um Leon, den Erinnerungskonstrukteur, und sein Fall aus den höchsten Ebenen in die Unterstadt von Skyscrape ein Highlight. Die Welt, die der Autor in diesem Roman erschaffen hat, wollte mich nicht so recht loslassen – doch „Cyberempathy“ ist als Einzelband konzipiert und somit standen meine Hoffnungen auf eine Weiterführung der Geschichte gegen null. Von Hainwald zeigt nun doch Erbarmen mit seinen Lesern und hat mit „Emotiondancer“ ein Spin-off zu der ursprünglichen Story veröffentlich. Unumgänglich für mich, nicht sofort wieder nach Skyscrape aufzubrechen, um die Stadt und ihre Geschichten weiter zu entdecken.

Der erste Satz:
– Ein warm-feuchtes Gefühl zwischen den Fingern ließ Kajas geschlossene Lider zucken. –

Draußen im Schorf, in einer kleinen Siedlung, bestreitet Kaja ihr Leben. Sie mag ihren Job und auch mit der Abgeschiedenheit hat sie sich arrangiert, wobei diese nicht ganz freiwillig gewählt ist. Kaja leidet unter extremen Anfällen, bei denen die freigesetzten negativen Gefühle so stark sind, dass sie durch die Übertragung des Cybernets eine Gefahr für ihre Mitmenschen darstellen. Für sie allerdings noch gravierender, ist der damit verbundene Verlust von Erinnerungen. Immer wieder stellt sie sich die Frage, wer sie einmal war und vor allem, ob sie sich selbst irgendwann vergessen wird. In Skyscrape hofft Kaja Antworten zu finden. Die geeinte Kraft aus Wissenschaft, Politik und Industrie steht schließlich für die atemberaubende Entwicklung der Menschheit. Ein Bild, das nach und nach zu bröckeln beginnt.

– »Sicherheit, Gleichheit, Einigkeit. Eine Gefangenschaft, ohne es zu bemerken, weil die Wände so weit entfernt sind, dass man sie nicht sehen kann. Und was man nicht sehen kann, ist für den einfachen Menschen nicht existent«, endete Zale mit nachdenklich gesenktem Blick. – (S. 166)

Obwohl die Thematik in „Emotiondancer“ eine andere ist, und sich Skyscrape seit der Geschichte in „Cyberempathy“ weiterentwickelt hat, war es für mich wie ein nach Hause kommen. Die Welten, die E.F. v. Hainwald mir als Leserin in seinen Büchern eröffnet, laden jedes Mal aufs Neue ein vollkommen darin abzutauchen. Es gilt viele kleine Details zu entdecken und sich über die Vorkommnisse seine eigenen Gedanken zu machen, sie kritisch zu reflektieren. So ist auch in „Emotiondancer“ nicht alles Gold was glänzt.

– »Manche Entscheidungen trifft man jeden Tag aufs Neue«, flüsterte … . »Ob man sein Leben von anderen bestimmen lässt, oder seinen Weg selbst wählt.« – (S. 186)

Gab es in „Cyberempathy“ noch dystopische Züge zu entdecken, setzt E.F. v. Hainwald hier in „Emotiondancer“ auf eine utopische Gesellschaftsform. Durch das Cybernet sind alle! Menschen über ihre Gefühle vernetzt. Es gibt keine Kriege, kein Leid, noch nicht einmal Gewalt, alle Institutionen ziehen an einem Strang für ein perfektes Miteinander. Ich selbst würde nicht so leben wollen, denn was sich so erstrebenswert liest hat einen bitteren Beigeschmack, der sich erst nach und nach erschließt. Die emotionale Vernetzung bietet ungeahnte Möglichkeiten für Regierungen und Konzerne das Leben der Menschen zu steuern, weswegen ich bei Kaja relativ schnell den Eindruck hatte, dass ihr Schicksal nicht dem Zufall geschuldet ist. Wie abhängig ihre Existenz allerdings vom Cybernet ist, hat mich richtiggehend schockiert. Gott sei Dank wurde ihr vom Autor mit Zale jemand zur Seite gestellt, der gegenüber dem vorherrschenden Perfektionismus in der Stadt eine kritische Haltung einnimmt. Er steht Kaja zur Seite, akzeptiert ihre Entscheidungen und wie bzw. was sie ist. E.F. v. Hainwald hat den beiden ein zaghaftes Annähern geschenkt, was sich meiner Meinung perfekt in die eigentliche Story einfügt.

Sehr überraschend war für mich ein Wiedersehen mit einigen alten Bekannten, da ich davon ausgegangen bin keine Schnittpunkte zu „Cyberempathy“ vorzufinden. Umso größer war natürlich meine Freude darüber. Ich fand es toll zu erfahren, was seit den Ereignissen von damals passiert ist und wieviel sich dadurch auch in der ganzen Stadt verändert hat. Für alle, die diese Geschichte bereits kennen hat der Autor ein paar Eastereggs gestreut, die es zu entdecken gilt. „Emotiondancer“ lässt sich jedoch auch komplett ohne Vorkenntnisse lesen.

Nach „Cyberempathy“ war Kajas Geschichte für mich eine rundum gelungene Rückkehr nach Skyscrape. Spannend, unvorhersehbar, manchmal schockierend und mit einem Hauch Romantik erzählt „Emotiondancer“ über ein System, dem scheinbar keiner entkommen kann.  E.F. v. Hainwald hat mir damit wieder ein Highlight geschenkt, weshalb „Emotiondancer“ für mich ein absolutes Must-Read darstellt.  

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