„Die Scherben seiner Seele“ von Jayden V. Reeves

„Die Scherben seiner Seele“ von Jayden V. Reeves

Verlag: Rediroma-Verlag

ISBN: 978-3961039821

Softcover: 580 Seiten

Release: Dezember 2020

Genre: Drama, Thriller

Teil einer Reihe:
1. Der steinerne Garten
2. Die Scherben seiner Seele

© Klapptext, Zitat- und Coverrechte: Rediroma-Verlag

Beschreibung:

Drama. Empfohlen ab 18 Jahren.

Fast zehn Monate nach dem schrecklichen Ereignis, welches Riley Buchanans Leben abrupt in ein namenloses dunkles Nichts gestürzt hat, ist dieser nach Irland geflohen, um sich dort mit den nun quälenden Vorwürfen seiner eigenen Schuld auseinanderzusetzen. Doch der junge Mann ist hoch traumatisiert und läuft rasch Gefahr, sich selbst zu verlieren. Schließlich treibt ihn sein Gewissen zu der Entscheidung, dass er die Jagd auf den Mann eröffnen muss, welchem seit jenem Tag nichts als sein blanker Hass entgegenschlägt.

Stück für Stück stiehlt sich Riley daraufhin als verlogene Kopie seiner Selbst in eine ihm fremd gewordene Welt zurück und setzt alles an die Umsetzung eines bitteren Rachefeldzuges, bis er jäh daran erinnert wird, dass ein alter Bekannter noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat.

Er sieht nur einen Ausweg: Er muss seinem Feind ein letztes Mal entgegentreten und den Kampf zu Ende bringen.

Anmerkung des Verlages:

In diesem Buch werden eine schwere Traumatisierung und deren mögliche Auswirkungen auf die menschliche Psyche thematisiert. Weiterhin werden explizite Inhalte von massiver physischer, psychischer und sexueller Gewalt sowie fiktive erotische Fantasien geschildert.

Es handelt sich um die Fortsetzung des Romans ›Der steinerne Garten‹, welcher 2017 im Rediroma-Verlag erschienen ist. Um die Geschehnisse im vorliegenden Band zu verstehen, ist das Lesen von Band 1 unerlässlich. Der Roman ist als Hardcover, Softcover und E-Book im Handel erhältlich.

Mein Eindruck:

Nach einer langen Zeit des Wartens hat Jayden V. Reeves mit „Die Scherben seiner Seele“ nun endlich seine Dilogie über Riley und Nathanyel abgeschlossen. Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für mich, da mich der erste Band noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat und ich seitdem darauf hingefiebert habe, zu erfahren, wie die Geschichte weiter geht.

Der erste Satz:
Ich wollte nicht hier sein und sie weiß es – auch wenn ich es nicht laut ausgesprochen habe. –

Eine Hülle, angefüllt mit Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen und Schmerz, das ist Riley Buchanan seit jenem schicksalshaften Tag im Dezember des vergangenen Jahres. Er ist auf der Flucht – vor sich, vor seiner Vergangenheit und vor den Bildern, die ihr anhaften. Riley lebt ziellos vor sich hin. Um seine innere Stimme, wenn auch nur für kurze Zeit, zum Schweigen zu bringen, greift er auf Altbewährtes zurück. Medikamente und Sex, beides lässt seine Gedanken vorübergehend verstummen. In dem Glauben vollkommen alleine zu sein und von Selbsthass zerfressen blockt er jede wohlwollende Annäherung ab.

So einfach … es wäre so verdammt einfach.
Gleichzeitig warnte ihn sein Gewissen davor, sich ernsthaft auf Samuel einzulassen. Dieser hatte keine Ahnung, wer er wirklich war. Wie er wirklich war. Er brachte Verderben mit sich. Er hatte den Tod gebracht. Er sollte fair bleiben und Samuel von sich fortstoßen, ehe es zu spät war, doch er tat es nicht. Vielleicht aus diesem Grund, vielleicht aus einem anderen. – (S. 58)

Wie schon in „Der steinerne Garten“ wurde ich auch jetzt wieder ab dem ersten Kapitel in diese wortgewaltige Geschichte hineingesogen. Jayden V. Reeves versteht sich meisterlich darauf Atmosphäre aufzubauen, Bilder und Spannung zu erzeugen und die Leser schonungslos an Rileys Kampf mit sich selbst teilhaben zu lassen.

Manchen mag Rileys Verhalten, gerade zu Beginn, irrational und abweisend erscheinen. Für mein Empfinden ist er absolut authentisch, denn wer sich, warum auch immer, mit dem Thema Depression eingehender beschäftigt hat, wird Züge von betroffenen Personen in Riley wiederfinden. Er hat seinen Bezug zu sich selbst verloren und projiziert das auf seine Umwelt. Der erfahrene Verlust, das Erlebte erdrücken ihn regelrecht. Lediglich die Rache an einer bestimmten Person ist die Triebfeder, die ihn agieren lässt. Dass sein Vergeltungsversuch auf eine komplette Selbstzerstörung zusteuert ist Riley in diesen Momenten egal. Ihn dabei zu begleiten, wie er Stück für Stück weiter in diese Dunkelheit abrutscht ist aufreibend und verlangte mir so einiges ab.

Die Wende bringt dann eine Perspektive, die Riley für sich vollkommen ausgeschlossen hat, für die es sich aber lohnt wirklich aktiv zu werden. In all der Schwärze finden sich plötzlich Momente, die hoffen lassen. Für mich unglaublich berührend, zeigen sie Riley doch welchen Wert er hat. Die Richtung, in die sich Rileys Leben zum Schluss hin entwickelt, birgt wieder eine Chance auf Normalität. Die Betonung liegt auf Chance, denn was zerbrochen ist, lässt sich nicht so ohne weiteres wieder zusammenfügen. Nach meinem Empfinden auch gut so, eigentlich perfekt, denn eine Erzählung, die das Seelenleben so schonungslos und realistisch thematisiert, würde ein Ende der Rubrik Friede-Freude-Eierkuchen ad absurdum führen.

All jenen, die sich aufgrund der Thematik und deren schonungsloser Umsetzung scheuen, die Dilogie zu lesen, möchte ich sagen: Traut euch!

Für mich hat Jayden V. Reeves nämlich etwas absolut Großartiges geschaffen. Sprachlich ein absoluter Genuss, atmosphärisch dicht, mit vielschichtigen, schwierigen, aber liebenswerten Charakteren, einer Geschichte, die unter die Haut geht und durch ihre Intensität noch lange beschäftigt.

Das Schlussfazit, das ich zum ersten Teil gezogen habe, kann ich nur wiederholen:

„Der steinerne Garten“ und „Die Scherben seiner Seele“ – eine Dilogie, hart, schonungslos, sehr ergreifend und für mich ein All-Time-Favorit, mit der Jayden V. Reeves unter den queeren Veröffentlichungen eindeutig ein Ausrufezeichen gesetzt hat!

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