“Some Say We Won´t” von Nina Kay

Verlag: Self-Publishing

ISBN: 978-3752611700

Softcover: 378 Seiten

Release: Oktober 2020

Genre: Contemporary

Teil einer Reihe: –

 

© Klapptext, Zitat- und Coverrechte: Nina Kay

Vorweg möchte ich mich noch ganz herzlich für das bereitgestellte Rezensionsexemplar bedanken.

Laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag dadurch unter „Werbung“!

Beschreibung:

Der Verkehr auf New Yorks Straßen, überfüllte Supermärkte, Menschen, die in Rätseln sprechen und Dinge tun, obwohl sie etwas ganz anderes wollen. All das überfordert Maëls Verstand, und ohne die schalldichten Kopfhörer und seine Kamera würde er seine sichere Wohnung gar nicht erst verlassen.
In einer sich täglich verändernden, viel zu schnellen Welt zeigt sie ihm Dinge, die sonst niemand sieht, wie die Stille hinter all dem Lärm oder die Schönheit im Kaputten. Wie Luca, der sich nicht fotografieren lassen will, jede Berührung fürchtet und mit den Händen spricht, wenn ihm die Worte fehlen.
Nie war Maël jemand näher und gleichzeitig so fremd, denn Luca ist nicht nur klug und aufmerksam, sondern auch unberechenbar. Voller Traurigkeit und Zweifel, getrieben von scheinbar irrationaler Angst und damit nichts,
was Maël begreifen kann.

Niemand, in den er sich verlieben sollte.
Und doch alles, was er bei sich halten möchte, um dort draußen nicht länger allein überleben zu müssen.

Mein Eindruck:

Nach ihrer Dilogie über die Brüder Julien und Miguel, mit der mich Nina Kay vom ersten bis zum letzten Satz verzaubert hat, konnte ich es kaum erwarten in „Some Say We Won´t“ einzutauchen. Ich bin der Art, wie die Autorin ihre Geschichten erzählt, restlos verfallen und würde ein Buch aus ihrer Feder auch blind kaufen. Als ich dann doch den Klapptext gelesen hatte – wie sie Maël beschreibt – war ich mir sicher, dass seine und Lucas Geschichte wieder etwas ganz Besonderes ist.

Der erste Absatz:
– Stille. Zwei Herzschläge pro Sekunde. Ein leichter Druck auf den Ohren, als wäre er unter Wasser, und kein einziger Gedanke, der Wellen hineinschlagen konnte. –

Schon nach den ersten Sätzen wird klar, dass Maël besonders ist. Er ist nicht geschaffen für die reizüberflutende Welt außerhalb seiner vier Wände. Diese Welt, die ungefiltert auf seine Sinne einstürmt, unbekannte Situationen und alles, was er sich nicht logisch erklären kann, werfen ihn aus der Bahn. Doch er kommt zurecht, in einer Großstadt, die all das konzentriert hervorbringt.

Luca ist gerade aus diesen Gründen nach New York gekommen. Die Schnelllebigkeit und die Möglichkeit in der Anonymität der Masse regelrecht zu verschwinden waren der Hauptgrund, warum seine Flucht in der Metropole ihr Ziel fand. Von seinem alten Leben entdeckt zu werden, könnte er nicht ertragen.

Zwei grundverschiedene Lebenslinien, die sich in der Reflexion einer Glasscherbe auf einer versifften Clubtoilette kreuzen. Diese Scherbe, mit ihrem Spiel aus Licht und Schatten, ihrer zerbrochenen Form und der darin verborgenen Schönheit, ihrer perfekten Unperfektheit, die vom Auge des Betrachters abhängt, steht sinnbildlich für das, was „Some Say We Won´t“ für mich transportiert.

– Ein Pingpong-Spiel von Emotionen, die rauf und runter schossen, Reste von Panik, flüsternde Warnsignale, die im Rauschen und Hämmern der Musik untergingen, und dieser diffuse Wunsch, es doch noch einmal zu versuchen.
Mit einem anderen Mann. Einem, der Lucas Schwächen nicht ausnutzte, aus Regentropfen Welten formte und ihn ansah, als bestünde er aus Glas und nicht aus Scherben. – (S. 57)

Die Art, wie Nina Kay erzählt, ist für mich wie Poesie. Sie umspült mich, nimmt mich mit und lässt mich auf wundervolle Weise nicht mehr los. Ihre Worte malen Bilder, intensiv und einzigartig, und das, ohne künstlich aufgebauschte Dramen oder der überzogenen Darstellung von dem, was Luca und Maël als Ballast mit sich tragen. Ihre Probleme, sei es, wie sie die Welt oder wie die Welt sie wahrnimmt, sind zwar immer präsent, aber die Autorin thematisiert diese eher ruhig und schafft für mich dadurch eine Tiefe, wie sie nur selten zu finden ist.

Luca und Maël leben jeweils in ihrem eigenen Mikrokosmos, darauf bedacht keine Veränderungen herbeizuführen, ihr Leben würde sich nur verkomplizieren. Dann ist da aber noch dieses Kribbeln, welches beide nicht abstreiten können. Ich fand es großartig, wie Nina Kay die Annäherung umgesetzt hat. Maël, mit seiner kalkulierten Hartnäckigkeit und Luca, der hin- und hergerissen ist, zwischen seiner Vergangenheit und der möglichen Zukunft. Für beide ist es wichtig, wie Dinge kommuniziert werden. Der Zeichensprache kommt dabei ein sehr großer Stellenwert bei, sie ist klar, auf den Punkt und unmissverständlich. Etwas, was Sicherheit gibt. Toll war, wie die Autorin auch die Erklärungen dieser Gesten in den Text eingewebt hat.

Wie schon in ihren vorangegangenen Veröffentlichungen ist die Liebe, die sich zwischen den Männern entwickelt auch hier nicht die Lösung für all ihre Probleme. Genau genommen, werden es dadurch für Maël und Luca sogar noch mehr. Wie Nina Kay den Weg mit ihnen geht, wirkt so echt, so aus dem Leben, dass ich mich nur vor ihr verneigen kann.

„Some Say We Won´t“ zähle ich definitiv zu meinen Highlights aus diesem Jahr. Die Bilder, manchmal tiefschwarz, manchmal warm und hell, die Nina Kay mit Worten malt, sind für mich etwas ganz Besonderes. Maëls und Lucas Geschichte ist voll davon. Voll Verzweiflung, voll Unsicherheit, aber auch voller Mut. Deswegen gibt es von mir auch eine mehr als ausdrückliche Leseempfehlung.

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