“Touch of Utopia” von Vanessa Carduie, E.F. von Hainwald, A.C. LoClair & Chii Rempel

“Touch of Utopia” von Vanessa Carduie, E.F. von Hainwald, A.C. LoClair & Chii Rempel

Verlag: Self-Publishing

ASIN: B09TX1M2KZ

eBook: ca. 372 Seiten

Release: März 2022

Genre: Science-Fiktion

Teil einer Reihe: –

© Klappentext, Zitat- und Coverrechte: Vanessa Carduie, E.F. von Hainwald, A.C. LoClair & Chii Rempel

Vorweg möchte ich mich noch ganz herzlich für das bereitgestellte Rezensionsexemplar bedanken.
Laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag dadurch unter „Werbung“!

Beschreibung:

Zeiten ändern sich – Menschen jedoch nur selten.

Die Errungenschaften der modernen Wissenschaft scheinen die Tore in eine aufregende Zukunft zu öffnen. Doch alle Technik des Universums kann die Menschen nicht vor ihren Sehnsüchten befreien.

Um seine Schwester zu retten, lässt sich ein Polizist auf einen Handel mit einem wortwörtlich „unmenschlichen“ Verbrecher ein. Die irrationale Sehnsucht nach einer KI verwischt die Grenzen zwischen Realität und virtueller Welt. Wenn die Familie über mehrere Epochen verstreut ist, dann braucht es unkonventionelle Maßnahmen, um dem eisernen Griff der Zeit zu entkommen. Eine seltsame Nachricht vom eigenen Ich führt einen Klon zu einem intergalaktischen Teehaus, das sein Wesen zutiefst erschüttert.

Eine Anthologie aus Science-Fiction-Novellen, mit einem queeren Twist.

Hochwertig gestaltete Prints sind direkt bei den Autoren erhältlich (Webseitenlinks im E-Book).

Mein Eindruck:

Wenn irgendwo E.F. von Hainwald drauf steht, schaffe ich es eigentlich nie, die Finger davon zu lassen. In Kombination mit Science-Fiction schon zweimal nicht. Seine Geschichten sind immer etwas Besonderes, weshalb die Messlatte für seinen Beitrag in dieser Anthologie doch sehr hoch lag. Auch bei den drei anderen Autorinnen war ich neugierig, was mich erwarten würde, da zwei von ihnen für mich absolutes Neuland waren.

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Refabricated  / Chii Rempel

Wyatt Nazari lebt in einem Körper, der gleichzeitig sein eigener und doch der eines Fremden ist. Als Klon leidet er unter den falschen Vorstellungen, die durch sein verstorbenes Original an ihn übertragen wurden. Vor allem aber quälen ihn die Gefühle zu Storm – dem ehemaligen Geliebten seines Originals, der absolut nichts mit ihm zu tun haben will. Als ein mysteriöses Paket auftaucht, beginnt für beide eine Reise auf der Suche nach Erkenntnis und Abschluss.


Wyatts Geschichte zu erfahren, fand ich sehr berührend. Alleine das Bewusstsein, als Klon geschaffen worden zu sein, als eine exakte Kopie seines Originals, um dessen Leben einzunehmen, muss schrecklich sein. Diese Aufgabe dann nicht erfüllen zu können, da etwas Maßgebliches fehlt, nämlich die Erinnerungen an die Zeit vor Wyatts Erschaffung als Klon, schmerzt und zeigt ihm seine Unzulänglichkeit. Die Gewissheit fehl am Platz zu sein und die unbeantwortete Frage, warum er überhaupt existiert, sind erdrückend. Der negative Höhepunkt dieses „Lebens“ sind Wyatts Gefühle für Storm. Sind es seine eigenen oder wurden sie bei seiner „Geburt“ übertragen? Ihn bei der Suche nach Antworten auf diese ganzen Fragen zu begleiten, war toll … denn zum Schluss stellt sich eigentlich nur eine einzige. Ist seine fehlende Vergangenheit nicht eigentlich ein Geschenk für die Zukunft?

 

Skinwalker / E.F. von Hainwald

Rakus Interesse an der Welt begrenzt sich auf kaum mehr als die Nahrungsaufnahme – schließlich bietet das virtuelle Holonet das bessere Leben. Doch als seine Gefühle zu seinem digitalen Freund Noa immer stärker werden, will er ihm einen Körper aus Fleisch und Blut verschaffen. In dem von der rücksichtslosen Gesellschaft gebrochenen Lenn findet er einen willigen Menschen, der bereit ist, seine Identität im Austausch für ein gutes Leben aufzugeben. Schon bald stellt sich die Frage, wer von den drei der eigentliche Nutznießer ist.


Wie in den meisten seiner Werke geht E.F. von Hainwald auch in „Skinwalker“ sehr kritisch mit der menschlichen Gesellschaft um. Das Szenario, welches der Autor in dieser Novelle erschaffen hat, fühlt sich für mich erschreckend real an, da es sich mit dem Streben jedes einzelnen nach Perfektion, dem Überdecken sämtlicher Makel und der damit einhergehenden Oberflächlichkeit problemlos auch auf das hier und jetzt übertragen lässt. Was sich hinter dem schönen Schein verbirgt ist allerdings oftmals grausam und unwürdig. Mit Raku Noa und Lenn treffen jedoch drei Welten aufeinander, die normalerweise keine tieferen Berührungspunkte haben, es ist eine Konstellation, die es eigentlich nicht geben dürfte. Mitzuerleben, wie aus diesem ungewöhnlichen Arrangement mehr wird, wie die Erkenntnis reift, dass die gesellschaftliche Norm auf emotionaler Ebene nicht wichtig ist, fand ich großartig. „Skinwalker“ ist eine dieser Love-Storys – unverkitscht, mitreißend und nachhallend – von denen ich gerne mehr lesen würde.

 

Grace of time / A.C. LoClair

Hannes und Rex sehnen sich nach einem Abenteuer, also folgen sie dem Helden eines mittelalterlichen Romans in seine Zeit. Feuer und Leid schlagen ihnen entgegen. Alles was die beiden aus Büchern zu wissen glaubten, wird auf den Kopf gestellt. Sie erfahren Dinge, die sie nicht erwartet haben und missachten die wichtigste Regel der neuen Welt. Wird die „Blutmacht“ das Gleichgewicht halten können und den jungen Männern ihren wahren Platz im Leben zeigen?


Obwohl ich lesetechnisch zu großen Teilen in der Fantasy zu Hause bin, ist das Thema Zeitreise normalerweise nicht meine Baustelle. A.C. LoClair hat es aber tatsächlich geschafft, mich mit ihrer Geschichte abzuholen. Es war unglaublich spannend Hannes und Rex bei ihrem Abenteuer zu begleiten, zu entdecken, wie für sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenhängen, welche Rolle sie in dem Gefüge einnehmen, das sich über die Jahrtausende erstreckt. Aber auch der Schluss, als sich die einzelnen Facetten der Erzählung und meine Vermutungen zu den Hintergründen zu einem großen Ganzen zusammenfügen, war wundervoll zu lesen und sehr berührend.

 

Red moon rising / Vanessa Carduie
In einer düsteren Zukunft stehen sich Menschen und Xenos feindselig gegenüber. Um seine Schwester zu retten, lässt sich Sergeant Joshua McGee auf einen Handel mit einem wortwörtlich „unmenschlichen“ Verbrecher, dem Vampir Alec Black, ein. Gefangen zwischen Anziehungskraft und Verachtung müssen die beiden zusammenarbeiten, um gegen Fanatiker zu bestehen und eine blutige Auseinandersetzung zwischen Menschen und Xenos zu verhindern.


Als Science-Fiction würde ich „Red moon rising“ nicht bezeichnen, sondern eher in Urban-Fantasy einordnen, dafür fehlt mir persönlich nämlich die umfassende Einbindung des technischen Fortschrittes. Bis auf ein paar kleinere futuristische Gimmicks kommt die Story an und für sich ohne diesen Punkt aus. Nichtsdestotrotz war Vanessa Garduies Beitrag zu der Anthologie absolutes Lesevergnügen. Der Konflikt zwischen Menschen und Xenos, die aufgeladene Stimmung, das Zusammenspiel von Joshua und Alec gefielen mir außerordentlich gut. Auf der einen Seite Joshua, mit seiner Loyalität seiner Schwester gegenüber und dem immensen Gerechtigkeitssinn, und auf der anderen Alec, bei dem die Grenzen zwischen gut und böse fließend sind. Aber manchmal muss man Grenzen überschreiten, um an sein Ziel zu kommen und manchmal wird aus absolut Gegensätzlichem eine Einheit.

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Abschließend kann ich nur noch sagen, dass es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, dass mir alle Beiträge einer Anthologie uneingeschränkt gefallen, bei „Touch of Utopia“ ist dies aber tatsächlich eingetreten. Jede einzelne Geschichte ist etwas Besonderes und mit den verschiedenen Charakteren hätte ich nur allzu gerne mehr Zeit verbracht. Ich werde die beteiligten Autor*innen auf alle Fälle mit der Hoffnung im Blick behalten, vielleicht irgendwann wieder auf bekannte Gesichter in den Veröffentlichungen zu treffen.  

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