„Mit Leib und Leben“ von Yui Spallek

Verlag: Himmelstürmer Verlag

ISBN: 978-3863617479

Softcover: 232 Seiten

Release: März 2019

Genre: Contemporary

Teil einer Reihe: ?

 

© Klapptext, Zitat- und Coverrechte: Himmelstürmer Verlag

Beschreibung:

Der einzige leibliche Sohn des Oberhaupts der Yakuzafamilie der Fukagawa zu sein, ist nicht leicht. Vor allem, wenn der Vater den Sohn nicht im Clan aufnehmen will. Da bleibt dem 21-jährigen Shun Fukagawa nur ein Ausweg: Rebellion. Selbst, wenn diese zunächst eher heimlich und im Verborgenen stattfindet. So versucht Shun sich bei jeder Gelegenheit davon zu schleichen, um mehr über die Yakuzafamilie herauszufinden. Als jedoch ein Anschlag auf Shuns Vater verübt wird, ändert sich die Situation. Leider nicht zu Gunsten des Sohnes. Denn dieser bekommt einen Leibwächter an die Seite gestellt, womit auch die heimlichen Aktionen vorbei zu sein scheinen. Gut, dass es da immerhin noch seinen besten Freund Akito gibt, der Shun immer wieder wertvolle Informationen zukommen lässt. Er ist auch ein Mitglied des Yakuza-Clans und steht Shun mehr oder weniger heimlich zur Seite. Was nicht von allen gerne gesehen wird.

Das neue Familienmitglied Takeo Suwa, Shuns neuer Leibwächter, ist bereits von Kindheit an auf seine Aufgabe als Beschützer vorbereitet worden und nimmt seine Arbeit sehr ernst. Mit seinem neuen Schützling hat er es allerdings nicht leicht, denn Shuns Temperament und sein Dickkopf bringen sie beide immer wieder in unschöne Situationen, die Takeos ganze Aufmerksamkeit erfordern. Diese Aufmerksamkeit lässt er dem jungen Mann schon nach kurzer Zeit nur allzu gerne zukommen. Und das nicht nur im Sinne eines Bodyguards. Doch eine Beziehung zwischen Leibwächter und Schützling sollte nicht über den Schutz hinausgehen, dessen ist sich Takeo bewusst. Allerdings kann er Shuns unschuldiger und dennoch entschlossener Art nur schwer widerstehen. Zudem ist für ihn das exotische Aussehen seines Schützlings nur ein weiterer Pluspunkt.

Mein Eindruck:

Ein Debut zu lesen, finde ich immer extrem spannend. Es sind Geschichten, die meist schon lange im Kopf herumspuken, bis sie überhaupt den Weg auf das Papier und letztendlich in den Buchhandel finden. Die erste eigene Veröffentlichung ist somit immer etwas ganz Besonderes für den Autor. „Mit Leib und Leben“ ist so ein Erstlingswerk.

Leider muss ich als allererstes etwas los werden, was mich maßlos geärgert hat. Hier dürfte sich aber vor allem der Verlag angesprochen fühlen. Anscheinend legt Himmelstürmer keinen großen Wert auf ein ordentliches Lektorat, denn sofern das Buch eines durchlaufen hat, ist dieses nur rudimentär ausgefallen. Man stolpert beim Lesen laufend über Fehler. Ich spreche hier nicht von einer Hand voll im ganzen Text, sondern von Schnitzern jeglicher Couleur (Rechtschreibung, Interpunktion, Grammatik), auf gefühlt jeder zweiten Seite. Dem zahlenden Leser gegenüber, der für das eBook stolze 16 Euro hinblättert, empfinde ich das wirklich als eine Frechheit!

Nun aber zur eigentlichen Story. Der Erzählung um Shun und Suwa merkt man an, dass es sich um ein Debut handelt. Meiner Meinung nach, ist hier handwerklich noch deutlich Luft nach oben, vor allem was die Gedankenwelt des personellen Erzählers betrifft. Sein Gegenüber wird oft mit „der Ältere“, „der Jüngere“, „der Blonde“, „der Kleinere“ bedacht. Etwas, dass mich beim Lesen irre macht, da mir im realen Leben ja auch nicht „Ahh … der dunkelblond-grau Melierte ist zu Hause“ durch den Kopf geht, wenn mein Angetrauter durch die Haustür kommt. Und trotzdem konnte ich der Geschichte durchaus Positives abgewinnen. Yui Spallekt hat darin ihre Liebe zu Japan mit einfließen lassen. Es erwartet einen eine völlig andere Kultur, was durch das Thema Yakuza (japanischen Mafia) noch einmal gesteigert wird.

Shun, als Sohn eines Yakuza Oberhauptes, eigentlich hineingeboren in diese Welt, befindet sich dennoch außen vor und versucht mit allen Mitteln ein Teil der „Familie“ zu werden. Warum sein Vater sich dagegen stäubt, kann ich gut verstehen. Er will ihn schützen, weswegen Shun nach einem missglücken Anschlag auf seinen Vater auch einen persönlichen Leibwächter zur Seite gestellt bekommt. Für Shun eine weitere Einschränkung seiner nur knapp bemessenen Freiheiten. Mit Suwa als ständigen Schatten wird seine Suche nach Antworten bezüglich Internas der Yakuza schier unmöglich. Es dauert eine Weile, bis Shun begreift, dass er mit Suwa einen loyalen Mann hinter sich stehen hat. Der, wenn er es mit seinem Schutzauftrag vereinbaren kann, Shuns Wissbegier toleriert, manchmal sogar unterstützt und so werden die beiden zu einem eingeschworenen Team. Es bleibt nicht aus, dass sie sich auch auf zwischenmenschlicher Ebene annähern, was vor allem Suwa, in dieser Welt der strengen Regeln und festgelegten Abläufe, in Bedrängnis bringt.

Ich fand es spannend mitzuerleben, wie sich das Zusammenspiel zwischen Shun und Suwa entwickelt, wie zwei so unterschiedliche Charaktere auf einen Nenner kommen. Shun mit seiner naiven, behüteten Neugier und Suwa, unnahbar und darauf gedrillt, seine Aufgabe zu erfüllen. Leider wird die Story anfangs nur aus Shuns Sicht erzählt und wechselt erst im letzten Drittel des Buches zu Suwa, denn ich hätte gerne erfahren, wie der Lebwächter seinen Schützling zu Beginn wahrgenommen hat. Die Erklärungen zum Aufbau und den Hierarchien innerhalb der Yakuza, sowie die einzelnen Kampszenen fand ich gut und verständlich umgesetzt. Ich hoffe wirklich, dass der zweite Teil der Geschichte mich zusätzlich zum Inhalt dann auch qualitativ zu überzeugen vermag, denn das Potential ist sicherlich vorhanden.

So leid es mir tut, und so fasziniert ich von der Grundidee von „Mit Leib und Leben“ auch bin, kann ich dem Buch aufgrund seiner Umsetzung bzw. des Preis/Leistungsverhältnisses nur eine sehr eingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Wer sich an den von mir genannten Defiziten nicht stört erhält einen Einblick in eine völlig andere Welt, wer dagegen Wert auf einen ungetrübten Lesefluss legt, sollte die Finger davon lassen. Ein Fall für die Rubrik „Geschmackssache“.

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2 thoughts on “„Mit Leib und Leben“ von Yui Spallek

  1. Hey ho,
    ich danke dir auch hier noch einmal für deine Mühe, wollte jetzt aber doch noch einmal etwas zur Perspektive sagen, die du bei mir angesprochen hast. ^^ Mein Stil ist kein reiner personeller Erzähler. Daher auch, wie du es siehst, der Misch-Masch. Hast du schon von Deep POV gehört?^^ Das ist meine Richtung. Daher funktioniert das auch mit den Beschreibungen.
    Klingt wieder als wolle ich mich rechtfertigen, aber was soll ich sagen: Ich wollte es dir nur vermitteln. 😉 Ist nicht böse gemeint, ne? Das nicht jeder damit klar kommt, ist wohl normal.^^ Ich mag sehr oft „Ich-Perspektiven“ nicht. Ist halt Geschmacksache.

    Grüße
    Yui

    1. Hey Yui,
      du darfst dich immer äußern und Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. 😉
      Ich mag die Ich-Perspektive zum Beispiel sehr gerne und finde die erwähnten Beschreibungen dagegen eher störend. Shun und Suwa mochte ich aber trotzdem. 😉
      Liebe Grüße
      Yvonne

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