“All The Nights We Stay” von Nina Kay

Verlag: Self-Publishing

ISBN: 978-3751903066

Softcover: 292 Seiten

Release: Juli 2020

Genre: Contemporary

Teil einer Reihe:
1. All The Fucks We Give
2. All The Nights We Stay

© Klapptext, Zitat- und Coverrechte: Nina Kay

Vorweg möchte ich mich noch ganz herzlich für das bereitgestellte Rezensionsexemplar bedanken.
Laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag dadurch unter „Werbung“!

Beschreibung:

Regeln, Ordnung, Disziplin – Miguels Alltag ist voller Prinzipien.
Sie zu brechen bedeutet, zu versagen, und das kommt
für den perfekten Anzugträger, der nur für seine Karriere lebt
und so hart für seinen Erfolg arbeitet, nicht in Frage.
Bis Miguels Körper plötzlich streikt und er einsehen muss,
dass er so nicht weitermachen kann.
Ausgerechnet Lee soll ihm helfen.
Lee mit dem Schmetterlingstattoo und einem Lächeln,
das Miguels starre Welt aus den Angeln hebt und ihn schwach werden lässt.
So herrlich schwach. Und gleichzeitig so angreifbar für die Bilder,
die ihn nachts wachhalten.

Die niemand sehen soll.
Niemand, den Miguel schützen will.
Am wenigsten sich selbst.

Mein Eindruck:

Über Nina Kay, bzw. ihr Buch „All The Fucks We Give“, bin ich durch Zufall gestolpert. Ihre besondere Art zu erzählen hat mich sofort vereinnahmt und so stand für mich außer Frage, dass der Folgeband „All The Nights We Stay“ unverzüglich gelesen wird, sobald er veröffentlicht ist. Ich habe mich richtiggehend auf Miguels Geschichte gefreut, da im ersten Teil, in dem es sich vorrangig um seinen Bruder Julien dreht, schon durchblitzt, dass hinter Miguel Fassade viel mehr steckt, als er zuzugeben bereit ist.

Der erste Satz:
– Die Kaffeemaschine, für die Miguel fast eintausend Dollar bezahlt hatte, gab nur noch zischende Geräusche von sich und spritzte dabei heißes Wasser auf den Küchentresen. –

In Miguels Leben hat alles seine Ordnung. Angefangen bei seinem Job bis hin zu den Lebensmitteln in seinem Kühlschrank. Listen und Regeln bestimmen seinen Tagesablauf, immer. Er läuft wie ein Schweizer Uhrwerk, sicher und verlässlich, und das seit jenem Tag, an dem Miguels Leben von einem Moment auf den anderen komplett auseinandergebrochen ist. Er hat die Scherben eingesammelt und sie wieder perfekt zusammengefügt, zumindest nach außen hin und am allermeisten für seinen Bruder Julien. Doch das Konstrukt ist nicht so stabil, wie Miguel es seinen Mitmenschen suggeriert. Er verliert kontinuierlich an Substanz, bekommt Risse, bis er selbst auseinander zu brechen droht. An einem dieser schrecklichen Tage, die nach Miguels Ansicht nicht existieren dürfen, tritt Lee in sein Leben. Unkonventionell, unberechenbar und so ganz anders, als die tägliche abgestumpfte Routine.

– Miguel fühlte sich seit Jahren nicht wie fünfundzwanzig oder achtzehn oder sechzehn, nie hatte er das. Immer nur funktioniert, wie eine Spieluhr, jeden Tag, Monat für Monat dieselbe Melodie. – (S. 6)

Mit Miguel hat Nina Kay im ersten Teil der Reihe einen Charakter erschaffen, der mich, obwohl nur eine Nebenfigur, richtiggehend angesprungen hat. Ich habe damals schon vermutet, dass seine glatte Fassade und sein überkorrektes Verhalten, welches er auch auf andere zu übertragen versucht, über etwas viel Tiefergehendes hinwegtäuschen sollen. Mein Gespür hat mich nicht getäuscht, denn Miguel ist am Ende, physisch sowie psychisch. Wer „All The Fucks We Give“ gelesen hat, kennt den Auslöser bereits. Doch im Gegensatz zu Julien hat Miguel einen anderen Weg gewählt, mit seinen Dämonen fertig zu werden. Er hat sie jahrelang unter einem Berg an Pflichtbewusstsein, Regeln und stoischer Routine begraben. So lange, bis das Ende der Fahnenstange erreicht war. Die Autorin erzählt Miguels Kampf mit sich selbst, was Depression mit einem Betroffenen macht, sehr einfühlsam und doch erschütternd. Ihr ist es auch gelungen Miguels verquere Denkweise, die unmittelbar mit der Krankheit einher geht, so in die Figur einzuweben, dass sie zwar sehr fordernd, aber nie unglaubwürdig erscheint.

Eine Romance auf so einer schwierigen Basis aufzubauen, finde ich immer gewagt. Oft verkommt die Depression als Mittel zum Zweck, um einen Retter auftauchen zu lassen, der sich kümmern kann. Zu meiner großen Freude geht Nina Kay auch die Lovestory sehr authentisch an. Sie hat Miguel mit Lee eine junge Frau zur Seite gestellt, die ich absolut großartig finde. Vielleicht weil sie selbst genügend Baustellen hat und eigentlich nicht noch eine weitere in ihrem Leben braucht. Lee ist für Miguel nicht der Allheilbringer am rosaroten Horizont, doch sie weiß, wie man kämpft. Sie rettet Miguel auch nicht, sie zeigt ihm lediglich, dass es sich lohnt sich selbst zu retten – wenn man den Willen dazu abringt.

Prinzipiell könnte man Miguels und Lees Aufeinandertreffen auch als Einzelband lesen, doch für ein besseres Gesamtbild finde ich es ratsam auch die Vorgeschichte zu kennen. Zumal sich die Lesefreude dann verdoppelt, denn „All The Nights We Stay“ steht seinem Vorgänger in nichts nach. Für mich eine Sprache, die verzaubert, eine Geschichte, die mit ihrem Licht- und Schattenspiel begeistert und Charakteren, die emotional tief beeindrucken. Diesem zweiten Band und auch der kompletten Dilogie spreche ich deswegen eine absolute Leseempfehlung aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.