“All The Fucks We Give” von Nina Kay

Verlag: Self-Publishing

ISBN: 978-3740763992

Softcover: 338 Seiten

Release: Februar 2020

Genre: Contemporary

Teil einer Dilogie: 
1. All The Fucks We Give
2. (Juni 2020)

© Klapptext, Zitat- und Coverrechte: Nina Kay

Vorweg möchte ich mich noch ganz herzlich für das bereitgestellte Rezensionsexemplar bedanken.
Laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag dadurch unter „Werbung“!

Beschreibung:

Julien braucht nichts und niemanden, nur seine beste Freundin Bekah, sein Longboard und die Unabhängigkeit, die er in Chicago auskosten kann. Dass sein Bruder Miete verlangt und Julien noch immer viel zu oft scheinbar grundlos wütend wird, ist sein einziges Problem – glaubt er zumindest. Als nebenan ein junger Mann einzieht, ist plötzlich alles anders. Denn Sasha, der reiche Sohn aus gutem Hause, der Gewitter liebt und Menschen meidet, hat die schönsten Augen, die Julien je gesehen hat. Die sein Herz zum Stolpern bringen, die ihm das Hirn aufweichen und etwas in Julien sehen, das er selbst noch nicht kennt.
Und das er kennenlernen will, unbedingt.

Egal, wie weit er dafür gehen muss.
Egal, was die anderen sagen.
Egal, wie nah Sasha der Ursache für Juliens Wut kommt.

Mein Eindruck:

Nina Kay war mir bis dato ein noch völlig unbekannter Name unter den Autor_innen queerer Geschichten. Nachdem ich ein wenig recherchiert hatte, wusste ich auch warum. „All The Fucks We Give“ ist ihr erstes Werk mit LGBT Content. Ich konnte meine Neugier dann nicht zügeln und wollte wissen, was sie zu erzählen hat.

Der erste Satz:
– «Schwarz oder rot?» Bekah hielt sich eines der Kleider vor den Körper, die sie in ihrem Schrank gefunden hatte. –

Mit Beginn seines Studiums zieht Sasha bei seiner Tante ein und wohnt somit Tür an Tür mit Julien, der mit seinem Bruder in einer Wohngemeinschaft lebt. So bleibt es nicht aus, dass sie sich irgendwann über den Weg laufen und kennenlernen. Der Start einer typischen Romance, möchte man meinen. Doch „All The Fucks We Give“ ist in meinen Augen weit mehr. Es ist ein Blick in tiefe Abgründe, auf geschundene Seelen, auf einstürzende Mauern aber auch ein Greifen nach Hoffnung und der Erkenntnis, dass man Ok ist, so wie man ist. Mit allem, was zu einem gehört.

– Sasha, der nicht schlafen konnte, ohne, dass eine Serie lief. Sasha, der keine Menschenmassen ertrug. Sasha, den niemand mochte, weil er nicht gelernt hatte, sich selbst zu mögen. – (S. 11)

Sasha und Julien sind auf den ersten Blick zwei ganz normale junge Erwachsene. Der eine introvertiert und vorsichtig, der anderer extrovertiert und provozierend. Im Laufe der Geschichte lernt man allerdings noch die vielen anderen Facetten der beiden kennen. Sasha, der sich am liebsten unsichtbar machen würde, um ja nicht aufzufallen, der täglich mit Panikattacken kämpft, der, der nie genug sein wird. Und Julian, der viel zu oft die Kontrolle verliert, der hinter seiner Wut eine traumatisierte Kinderseele versteckt, die Angst hat und sich alleingelassen fühlt. Beide sind geprägt durch ihr bisheriges Leben und versuchen mit ihrer ganz persönlichen Hölle irgendwie umzugehen. Ein Kampf, der für Sasha sowie auch für Julien fast aussichtslos scheint.

– Julien presste die Lippen aufeinander, um nicht wieder loszuschreien, nicht vor Wut, sondern vor so viel Hilflosigkeit, die ihn immer weiter auffraß. – (S. 83)

Die Annäherung der beiden, den Vertrauensaufbau, fand ich in Anbetracht ihres Backgrounds etwas übereilt, den damit, sich emotional auf Fremde einzulassen, haben Sasha und Julien so ihre Probleme. Wenn ich aber diesen ersten Part beiseiteschiebe, ist „All The Fucks We Give“ eine durch und durch wundervolle und sehr intensive Geschichte, die diesen kleinen Kritikpunkt bei weitem überstrahlt. Nina Kay hat eine sehr eigene, bildhafte, für mich fast schon poetische Art zu erzählen. Sie lässt ihre Figuren in den schillerndsten Farben leuchten und verlangt ihnen gleichzeitig so unendlich viel ab. Sehr positiv empfinde ich, dass die Beziehung zwischen Julien und Sasha nicht als das Wundermittel gegen all ihre Probleme dargestellt wird. Die Nähe und das entgegengebrachte Verständnis wirkt lediglich als Ansporn sich selbst mit anderen Augen zu sehen, die eigene Wahrnehmung verschiebt sich und ermöglicht es Julien und auch Sasha sich ihren Dämonen zu stellen und gegen sie anzukämpfen.

Für mich war Nina Kays erster Ausflug in die literarische queere Welt eine Überraschung. Ich bin ohne große Erwartungen an „All The Fucks We Give“ herangegangen und habe etwas ganz Wundervolles gefunden. Julien und Sasha schaffen weit mehr, als nur zu unterhalten – sie fordern und nehmen mich als Leser mit zu den unterschiedlichsten Emotionen. Die Art, in der die Autorin ihre Geschichte erzählt, ist für manche sicherlich gewöhnungsbedürftig. Wenn man sich aber darauf einlässt erhält man meiner Meinung nach einige sehr intensive Lesestunden – dafür vergebe ich sehr gerne eine ausdrückliche Leseempfehlung.

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