“Alte Schatten – Dennis” von Alexa Lor

Verlag: MAIN Verlag

ISBN: 978-3959493420

Softcover: 296 Seiten

Release: November 2019

Genre: Contemporary

Teil einer Reihe: –

 

© Klapptext, Zitat- und Coverrechte: Main Verlag

Beschreibung:

Wenn man nach vielen Jahren in seinen Heimatort zurückkehrt, weckt das Erinnerungen. Und nicht alle davon sind schön. So geht es auch Dennis, als er zwanzig Jahre nach seinem Weggang nach Wakening zurückkommt.

Dennis führt mit seinem Mann Craig ein glückliches Leben in New York, doch nach dem Tod seiner Mutter macht er sich auf den Weg nach West Virginia, um das geerbte Elternhaus zu verkaufen. Die Umstände zwingen ihn, seinen Aufenthalt zu verlängern, was nicht auf jedermanns Zustimmung stößt.

Alte Schatten aus der Vergangenheit kriechen aus ihren Löchern, und Dennis muss feststellen, dass er nicht der einzige ist, der nicht vergessen hat …

Mein Eindruck:

Alexa Lor hat mich durch ihre Sanguineum-Trilogie als Leserin gewonnen. Dass die Autorin Fantasy schreiben kann, weiß ich dadurch. „Alte Schatten – Dennis“ geht laut Klapptext dagegen in eine gänzlich andere Richtung und ich war gespannt, wie sie diese Geschichte umgesetzt hat.

Der erste Satz:
– »Du perverse Sau, du!« –

Seit zwanzig Jahren versucht Dennis zu vergessen, was damals passiert ist. Die äußeren Wunden sind verheilt, doch die seelischen bleiben und stellen jede Beziehung auf den Prüfstand. Vor Craig hat jeder von Dennis Partnern früher oder später das Weite gesucht, konnten sie doch mit den psychischen und physischen Auswirkungen von Dennis Vergangenheit nicht umgehen. Craig bleibt, er ist anders, als alle anderen davor. Er nimmt Dennis an, mit all seinen Makeln und seelischen Wunden. Ihre Verbindung ist etwas Besonderes. Warum das so ist, erklärt sich nachdem Dennis dorthin zurück muss, wo für ihn das Leid seinen Anfang genommen hat.

– Nähe. Nichts wünschte er sich mehr, als Craig ganz nah zu sein. Vor nichts hatte er mehr Angst. – (S. 72)

Schon der Einstieg in die Geschichte ist harter Tobak. Alexa Lor wirft den Leser direkt in eine Szene aus Dennis Jugend, die sein Leben komplett aus den Angeln reißt. Eine Rückblende, denn die eigentliche Erzählung spielt zwanzig Jahre später. Die Autorin arbeitet in diesem Buch häufiger damit, um zum Beispiel die Entstehung der Beziehung zwischen Dennis und Craig zu erzählen. Ich mag diese Zeitsprünge unglaublich gerne, bekommt man so doch einen anderen, direkteren Blick auf das Geschehen. Vor allem, weil diese Entwicklung, das sich öffnen, für Dennis unglaublich schwer ist. Zu viel ist geschehen – zu viel Verachtung, zu viel Unverständnis, zu viel Spott, zu tief sitzen die Wunden. Dennis ist aber nicht nur seelisch weit von der perfekten „Figur“ entfernt, auch sein Äußeres entspricht nicht den Idealmaßen, was ich als wahnsinnig positiv empfinde. Craig ist in dem Punkt das genaue Gegenteil, eigentlich ein typischer Romance-Charakter. Was ihn für mich so besonders macht, ist sein Einfühlungsvermögen und sein Blick auf Dennis. Äußerlichkeiten rücken bei ihm in den Hintergrund.

Dennis und Craig auf ihrem nicht immer einfachen Weg zueinander zu begleiten fand ich sehr berührend. Vor allem weil Dennis Vergangenheit dem wiederholt im Weg steht, er aber nicht die Kraft findet vor Craig die Karten auf den Tisch zu legen. Wie der Klapptext andeutet wird Dennis im Laufe der Erzählung nochmals konkret mit seinen „alten Schatten“ konfrontiert und ab da entwickelt die Geschichte eine Dynamik, die mich fassungslos, wütend und gleichzeitig traurig gemacht hat. Hass und auch Leid vermengen sich und besitzen dadurch eine Macht, die Dennis und auch Craig fast zerstört.

Im Vorwort hat die Autorin schon angemerkt, dass es für Dennis aufgrund von Leserwünschen zwei Enden gibt. Ich persönlich kann mich damit nicht anfreunden. Eine Geschichte sollte so enden, wie die Autorin es ursprünglich geplant hatte – hier offen aber mit einer positiven Richtung. Das nachgeschobene Happy End hätte es für mich definitiv nicht gebraucht!

Nichtsdestotrotz hat mir „Alte Schatten – Dennis“ ein paar sehr intensive Momente beschert. Manchmal einfühlsam und liebevoll, manchmal tragisch und beklemmend erzählt Alexa Lor eine Geschichte über zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch so viel verbindet. Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung.

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