“Tullio” von Jobst Mahrenholz

Verlag: MAIN Verlag

ISBN: 978-3959493864

Softcover: 215 Seiten

Release: Mai 2020

Genre: Contemporary, Drama, Coming of Age

Teil einer Reihe: –

 

© Klapptext, Zitat- und Coverrechte: MAIN Verlag

Vorweg möchte ich mich noch ganz herzlich für das bereitgestellte Rezensionsexemplar bedanken.
Laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag dadurch unter „Werbung“!

Beschreibung:

“Und zum ersten Mal in meinem Leben stelle ich fest, dass ich wirklich dringend etwas wissen möchte. Dass es mir wichtig ist, mehr darüber zu erfahren. Aber ich frage nicht. Aus demselben Grund, aus dem ich nicht bereit bin, ihm zu antworten. Es ist zu persönlich.

Aber eines ist passiert: Ich bin ihm nah, plötzlich. So fühlt es sich zumindest an.”

»Mahrenholz verrät seine Helden an keiner Stelle. Er nimmt sie mit all ihren Schwächen und Stärken ernst und lässt zu, dass sich ihre Geschichte genau so erzählt, wie sie ist. Keine Schminke, kein Sicherheitsnetz und dennoch fühlt man sich während des Lesens geborgen und sicher genug, sein Herz zu verschenken.« S.B.Sasori, Autorin

Mein Eindruck:

Jobst Mahrenholz erzählt auf seine ganz eigene Art Geschichten. Wer die Bücher dieses Autors kenn, weiß, was ich meine. Alles, was ich bis jetzt von ihm gelesen habe, konnte mich umfänglich begeistern. Auf Tullio habe ich gewartet, seit ich das erste Mal von dessen Entstehung erfahren habe, denn laut Angaben von Jobst Mahrenholz soll es sein persönlichstes Werk sein.

Der erste Satz:
– Schmerzen schien er nicht zu haben. –

Tullios und Davides erster Kontakt, der Beginn ihrer Freundschaft, ist eine Situation, wie sie sich mehrfach tagtäglich irgendwo abspielen könnte. Doch von Anfang an herrscht zwischen ihnen ein Vertrauen, eine Verbindung, die etwas Besonderes ist. Noch viel deutlicher wird das, wenn sich der Blick auf die jeweiligen Hintergründe eröffnet, die unterschiedlicher nicht sein könnten – perfekte, gut situierte Familie im Kontrast zu schwierigen familiären Verhältnissen. Was Tullio und Davide bei all dem gemeinsam haben, ist die Einsamkeit. Beim einen selbst gewählt, beim anderen aufgebürdet.

– Monster warfen nicht immer Schatten, wusste ich nun. Manchmal krochen sie auch durch Schlüssellöcher. – (S. 27)

Die Geschichte, die Jobst Mahrenholz erzählt, ist für mich ein Familiendrama kombiniert mit Tullios Weg zu sich selbst, seinem Erwachsenwerden. Es ist keine leichte Geschichte, die nur unterhalten will. Den Schreibstil möchte ich fast schon als puristisch bezeichnen, wobei ich damit auf keinen Fall emotionslos meine, ganz im Gegenteil. Meine Empfindungen reichten von Wut, über Fassungslosigkeit, bis hin zu Freude und Hoffnung. Der Autor lässt sehr viel Raum, um zwischen den Zeilen zu lesen. Er gibt mir die Möglichkeit Geschehnisse für mich selbst zu bewerten und zu interpretieren. Die Wirkung einzelner Figuren und deren Intentionen stellt sich für jeden, der in das Buch eintaucht, somit ein wenig anders dar. Die Wahrnehmung ist ein großes Thema, sei es zwischen den einzelnen Figuren oder auch von Seite des Lesers.

Tullio mochte ich. Er tut sich schwer Grenzen zu ziehen, seine Gedanken und Gefühle zu äußern. Manche seiner mühsam abgerungenen Entscheidungen sind richtig, manche falsch, aber jede davon zieht Folgen nach sich. Davide ist dabei derjenige, der ihm ohne Kompromisse zur Seite steht, ein Freund, der nichts von Tullio fordert und dafür liebe ich ihn. Davides Vater hingegen bewirkt bei mir das genaue Gegenteil. Ich habe schon lange keine Figur mehr gelesen, die ich so verabscheut habe, wie ihn. Anderen Charakteren lassen sich nicht so leicht einschätzen und ich musste meine anfängliche Meinung im Laufe der Geschichte noch einmal revidieren.

Jobst Mahrenholz erzählt auf seine unvergleichliche Art von Tullio und den Menschen in seinem Umfeld. Er gewährt Blicke hinter sorgfältig aufgebaute Fassaden, in verborgene Abgründe und auf die vielen verschiedenen Facetten der Liebe. „Tullio“ ist etwas Besonderes und dafür gebe ich sehr gerne eine klare Leseempfehlung.

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