Interview: Ich habe mich selbst ein paar Fragen gestellt …

Autoreninterviews gibt es in der Literaturwelt häufiger zu lesen, deswegen fand dich die Idee von Polychrom, einer FB-Seite, die sich mit allen möglichen Themen im queeren Buchsektor beschäftigt, auch einmal Blogger zu Wort kommen zu lassen, wirklich toll. “Mein Regal voller Regenbögen” durfte die Reihe von Blog-Vorstellungen in Interviewform eröffnen. Was dabei heraus gekommen ist, könnt ihr im Anschluss noch einmal nachlesen.

 

Bild / Pixabay

Als allererstes möchte ich mich bei Polychrom ganz, ganz herzlich dafür bedanken, dass ich mich und meinen Blog hier vorstellen darf und ein Lob muss ich an dem Punkt auch gleich noch loswerden. Ich verfolge diese Seite schon von Anfang an und ihr macht das wirklich großartig!

 

1) Seit wann gibt es deinen Buchblog und wie kamst du zu der Entscheidung, zu bloggen?

Ich hoffe du erwartest jetzt keine knappen 2-Sätze-Antworten, das dürfte sich nämlich als etwas schwierig erweisen. ^^°

Also… mein Blog ging dieses Jahr am 13. März online, hat aber in der Zwischenzeit schon einen Umzug von Blogspot auf eine eigene Domain hinter sich. DSGVO lässt grüßen und ich hoffe, dass ich das nicht noch einmal wiederholen muss, da mir die ganze Technik hinter den Kulissen jedes Mal aufs Neue den letzten Nerv raubt!

Wie ich dazu gekommen bin zu bloggen? Sagen wir mal so, ich wurde in die richtige Richtung gedreht und haben denn ein paar Schubser bekommen, denn von mir aus hätte ich diesen Schritt wahrscheinlich nie bzw. nicht innerhalb so kurzer Zeit nach dem veröffentlichen meiner aller, aller ersten Rezension auf Amazon gewagt. Jahrelange Erfahrung gibt’s sozusagen nicht. Angefangen hat alles mit einer, wie ich dachte, unverfänglichen Frage unter meinen FB-Freunden. Um meine Rezis leichter in FB-Gruppen teilen zu können, habe ich vorsichtig angeklopft, ob ich ihnen den Spam, in Form von meinem Geschreibsel, auf meinem Privatprofil zumuten kann. Das Feedback, das daraufhin kam, hat mich echt umgehauen und reichte von „Klar, mach!“ über „Leg doch ne FB-Seite an, die werden von anderen sicher auch gerne gelesen!“ bis hin zu „Deine Rezis sind toll, mach doch nen Blog draus! Das wird bestimmt super!“. Darauf folgte dann ein mehrtägiges Haareraufen über „Soll ich, oder soll ich nicht?“ meinerseits. Zu welchem Entschluss ich mich letztendlich durchgerungen habe ist klar, sonst wäre ich heute nicht hier eingeladen. Ich bin diesen Leuten unendlich dankbar, denn ohne sie würde es „Mein Regal voller Regenbögen“ nicht geben!

 

2) Was liest du bevorzugt?

Ich lese quer durch den Gemüsegarten und es kommt immer auf meine Stimmung an, zu welchem Buch ich greife. Generell bin ich aber schon eher eine Fantasy-Tante. Hight-, Urban- und Dark-Fantasy geht eigentlich immer, genauso wie Science-Fiktion. Leider ist das der Bereich, der im LGBT-Genre etwas hinten an steht, weil er einfach nicht so viele Leser anzieht wie zeitgenössische Geschichten. Ach ja… und ein Happy-End ist zwar kein zwingendes Muss, macht es mir aber um einiges leichter mit einem Buch emotional abzuschließen.

 

3) Was macht für dich ein richtig gutes Buch aus und was sind absolute Tabus?

Tabus im eigentlichen Sinn gibt es bei mir nicht, es kommt immer darauf an, wie die Themen verpackt sind. Man kann mir also eigentlich alles andrehen, wenn es gut geschrieben ist. Zwei Ausnahmen gibt es allerdings mit denen ich einfach nicht warm werden. Zum einen, das klassische „finde den Mörder“ also Krimis und zum anderen Wandlergeschichten, wobei magische Wesen wie z. B. Drachenwandler da wieder aus der Reihe tanzen.

Zu einem richtig guten Buch gehört für mich eine komplexe, gut ausgearbeitete, etwas düstere Story, gerne mit mehreren Handlungssträngen und einem ordentlichen Spannungsbogen. Das Ganze eingebettet in ein grandioses Setting, bei dem ich das Gefühl bekomme, ich stehe beim Lesen mitten drin. „Shilsas – In den Nebeln“ von Chris P. Rolls ist in dieser Hinsicht der absolute Wahnsinn, wobei ich das komplette Buch richtig gut finde. Meine Favoriten bei den Charakteren sind Typen, die man im realen Leben eher als schwierig bezeichnen würde, die aus der Masse hervorstechen und gerne mal anecken, gegen den Strom schwimmen oder auch Dreck am Stecken haben. Der nette Nachbar von nebenan hat im direkten Vergleich bei mir da immer das Nachsehen, auch wenn er noch so sympathisch ist. Die Protas müssen vielschichtig sein, Tiefe mitbringen, eine Vergangenheit haben, denn ich will herausfinden warum sie so sind, wie sie sind, damit ich ihr Handeln einordnen und verstehen kann. „Der steinerne Garten“ von Jayden V. Reeves ist da das Paradebeispiel dafür. Wenn die Geschichte dann noch eine Love-Story beinhaltet, ist das Buch perfekt.

 

4) Welches queere Buch liest du aktuell? Falls du derzeit keins liest: Welches hast du zuletzt gelesen?

Momentan lese ich „Der Roxan-Effekt“ von Lina Franken. Ganz schön strange, aber eine tolle Geschichte.

 

5) Was fasziniert dich an queerer Literatur?

Die Möglichkeiten in einer Story, die auf zwei Männern basiert, sind anders als im Hetero-Bereich. Nehmen wir als Beispiel mal Konflikte zwischen den Protagonisten. Bei queeren Büchern befinden sie sich auf einer Ebene, also völlig übertrieben gesagt – wenn sich Männer gegenseitig an die Gurgel gehen, ist das ein ausgeglichener Kampf, wenn ein Mann einer Frau an die Gurgel geht, ist immer sie die Unterlegene. Ein anderer ausschlaggebender Punkt ist, dass in den Gay Love-Storys zwar auch mit Klischees gespielt wird, es mich hier aber nicht so stört, wie in den unzähligen Hetero-Ausgaben. Klar gibt es dort auch tolle weibliche Protagonisten, die keine schutzbedürftigen Kleiderständer sind, aber der Großteil ist nach meinem Empfinden doch oft nach Schema F aufgebaut. Dieses „supertoller Obermacker trifft Püppie“ umgehe ich mit queeren Büchern sehr effektiv. ^^

 

6) Was wünschst du dir von den Lesern des queeren Buch-Genres?

Mehr Toleranz! Das hört sich wahrscheinlich selten dämlich an, vor allem unter den LGBT-Lesern. Mir ist aber schon des Öfteren untergekommen, dass andere Leser oder Blogger für eine negative Meinungsäußerung zu einem Buch angegangen werden. Jeder sollte seine Meinung dazu offen sagen können, ohne dabei Angst haben zu müssen unter die Räder der jeweils betreffenden Fanbase zu kommen. Es ist für mich durchaus verständlich, dass viele ihren Lieblingsautor verteidigen wollen, aber dabei sollte sich dann bitte jeder die Fragen stellen „Will ich selbst so eine Reaktion auf eine Äußerung meinerseits?“, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass sich solche Scharmützel oft bis ins Unendliche hoch schaukeln!

 

7) Was wünschst du dir von den Autoren des queeren Buchgenres?

Ich würde mir wünschen, dass wir Rezensenten von ALLEN Autoren wirklich ernst genommen werden. Nicht nur wenn die Rezi positiv ausfällt und es sozusagen kostenlose Werbung ist, sondern auch, wenn der Autor mal keinen Jackpot mit seiner Geschichte zieht. Wenn ich eine Rezension schreibe, habe ich mir Zeit genommen das Buch zu lesen und mir meine Gedanken darüber gemacht – warum, wieso, weshalb. Fällt das Ganze dann nicht zu 100% positiv aus, liegt es nicht daran, dass ich gerade einen schlechten Tag hatte, sondern einzig und allein an der gelesenen Story. Ich bin als Blogger noch nicht lange dabei, aber selbst ich habe schon Bekanntschaft damit gemacht, wieviel Wert eine ehrliche Meinung bei manchen wirklich hat.

 

8) Nach welchen Kriterien bewertest du gelesene Bücher?

Hauptsächlich bewerte ich, wie eine Geschichte emotional bei mir ankommt, die schreibtechnische Ausarbeitung bzw. Umsetzung kommt erst danach. Dadurch kommt es immer mal wieder vor, dass ein Buch, das ein anderer vllt nicht so hoch ansetzen würde, bei mir volle Punktzahl erhält. Ich werte Schwächen und Defizite zwar, eine Story, in der ich mich verlieren kann, gleicht das aber oftmals wieder aus. So kommen zum Schluss gerne mal 5 Sterne bei einer nicht vollständig positiven Rezension heraus.

 

9) Welche Art Bücher sollte es unbedingt mehr geben?

Dark-Fantasy! Dieser Fantasy-Zweig ist im Hetero-Bereich schon sehr spärlich vertreten, im LGBT-Sektor muss man diese Bücher mit der Lupe suchen.

 

10) E-Books oder Printbücher?

E-Books – wobei das zwei Gründe hat. Zum einen ist es ein schlichtes Platzproblem, ich kann meiner Familie nur schwer verklickern, dass ich für die Prints ein eigenes Zimmer brauche. Zum anderen schleppe ich meinen aktuellen Lesestoff immer mit mir herum, was mit einem Reader wesentlich einfacher zu bewerkstelligen ist, als mit einem 600-Seiten Wälzer. Besondere Geschichten, Herzensbücher, ziehen aber in der Regel zusätzlich noch als Print bei mir ein. Sozusagen den Reader zum Lesen und die Prints zum anschmachten, was einer großen Macke von mir sehr entgegen kommt. Bücher mit Gebrauchsspuren finde ich ganz schrecklich. ^^°

 

11) Wie offen gehst du privat mit dem um, was du liest?

Ich habe jetzt kein Schild umhängen, auf dem steht „Ich lese Queer“. Wobei viele in meinem Umfeld wahrscheinlich nicht mal wüssten, was das genau heißt XD. Wenn ich aber nach meiner Lektüre gefragt werde gehe ich schon offen damit um. Neulich erst habe ich meiner Mutter ein Gay-Drama in die Hand gedrückt. Sie hat mich nach einer Empfehlung aus meinem Sammelsurium im Regal gefragt, und die hat sie bekommen. ^^

 

12) Zu welchem queeren Buch wirst du als Nächstes greifen?

Mein nächstes Buch wird wahrscheinlich „Beautiful Agony“ von Akira Arenth sein, oder „Schmetterlingsliebe“ von Alice Camden, oder irgendwas von Nathan Jaeger. Ich habe ehrlich gesagt keinen wirklichen Plan und es kommt durchaus vor, dass ich mich noch 5 Sekunden vorher umentscheide. Bei einem Sub der länger als die Chinesische Mauer ist, hat man halt auch einiges an Auswahlmöglichkeiten. ^^°

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