“Das andere Ende der Brücke” von Elisa Schwarz

Verlag: Self-Publishing

ISBN: 978-1703137927

Softcover: 474 Seiten

Release: Oktober 2016

Genre: Contemporary

Teil einer Reihe: München
1. Frei in seinen Fesseln
2. Das andere Ende der Brücke

© Klapptext, Zitat- und Coverrechte: Elisa Schwarz

Vorweg möchte ich mich noch ganz herzlich für das bereitgestellte Rezensionsexemplar bedanken.
Laut Gesetzgebung fällt dieser Beitrag dadurch unter „Werbung“!

Beschreibung:

Der Unfalltod seines Mannes Manuel lässt Patrick ungebremst in die Abwärtsspirale des Lebens schlittern. Monatelang bewegt er sich in einer ihm fremd gewordenen Welt, in der graue Emotionslosigkeit seine tägliche Begleiterin und sein Beruf als Fotograf mit zunehmender Hoffnungslosigkeit mehr als gefährdet ist. Mit allen Mitteln versucht er dagegen anzukämpfen, doch erst die Begegnung mit einem alten Bekannten rüttelt an ihm und als er kurz darauf Zeuge eines Überfalls wird, katapultiert ihn das Ereignis geradewegs in das reale Leben zurück.
Plötzlich reichen Freunde ihre Hände und er lernt Menschen kennen, die mehr als freundschaftliche Gefühle in ihm wecken – Gefühle, die schlichtweg ausgeblendet waren. Doch wie soll er sich auf einen anderen Mann einlassen, wenn ihn die Angst schier erdrückt, dass er dadurch seine verstorbene große Liebe nicht nur verrät, sondern vor allem verliert?
Dieses Buch hat homoerotischen Inhalt und gehört zu der Reihe “München”, angesiedelt im Jahr 2015.
Bei diesem Buch handelt es sich um eine überarbeitete Neuauflage.

Mein Eindruck:

Nachdem „Frei in seinen Fesseln“ für mich ein absolutes Lesehighlight war, musste das zweite Buch aus der München-Reihe nun auch daran glauben. Ich war gespannt, ob mich Patricks Geschichte ebenso fesseln kann, wie Steffens und Bills – die Messlatte liegt hoch!

Der erste Satz:
– Meine Muskeln sind angespannt, fast schon überspannt. –

Der Tod eines geliebten Menschen lässt oftmals die Zeit stillstehen, die Ereignisse wirken surreal bis das Bewusstsein akzeptiert, was geschehen ist. Nach der Phase des tiefen Trauerns beginnt die Welt sich aber langsam wieder zu drehen und der Schmerz verliert nach und nach an Intensität – normalerweise. Patrick steckt aber, über ein Jahr nach dem Tod seines Mannes, immer noch in der Unwirklichkeit fest. Sein Leben gleicht nur mehr einer schemenhaften grauen Tristesse, die ihn unaufhörlich zu verschlingen droht. Er hat sich abgekapselt. Von seiner Umwelt und auch von seinen Emotionen, alleinig der Schmerz ist sein ständiger Begleiter. Patricks Versuche diesem Schmerz entgegenzuwirken bleiben ohne Erfolg. Erst als er Zeuge eines brutalen Überfalls wird, bekommt diese dicke Schicht der Eintönigkeit einen Riss und zu der frischen grauenvollen Erfahrung brechen lange verdrängte Gefühle mit an die Oberfläche. Begleitet von verloren geglaubten und unerwarteten neuen Freunden beginnt Patrick sich seinem Trauma zu stellen und es aufzuarbeiten.

– Wir verabschieden uns – und etwas hat sich seit heute Morgen verändert. Ein positives Gefühl breitet sich in mir aus. Angenehm sickert es durch die kaputten Stellen in mir. Das Grau wabert nicht, wogt nicht, ist einfach da, mittendrin ein bisschen hell. – (S. 100)

Elisa Schwarz erzählt Patricks Geschichte, seinen Weg aus der Trauer heraus, sehr feinfühlig. Sie lässt sich und ihm Zeit, das Erlebte zu verarbeiten, mit allem was dazu gehört. Ich mag solche Erzählungen sehr, in denen die Charaktere auch einen oder zwei Schritte rückwärts machen dürfen, um sich wieder zu finden. Was ich bei den Büchern der München-Reihe ebenso großartig finde ist, dass die Problemlösung nicht an einer einzigen Person festgemacht wird, sondern ein Kollektiv aus unterschiedlichen Figuren ihren Anteil daran hat. Auf mich wirkt die Geschichte dadurch sehr realitätsnah. Patrick durch die vielen Stationen und Phasen der Aufarbeitung zurück in ein glückliches Leben zu begleiten fand ich sehr intensiv. Das liegt vor allem daran, dass das Buch ausschließlich aus seiner Sicht erzählt wird. Trotzdem schafft es die Autorin auch Patricks Umfeld, sowie den verstorbenen Manuel, unglaublich vielschichtig zu zeichnen, ohne den Leser direkt an ihren Gedanken teilhaben zu lassen.

Obwohl ich eigentlich keine Kritikpunkte habe, kommt „Das andere Ende der Brücke“ für mein Empfinden leider nicht ganz an die Intensität von „Frei in seinen Fesseln“, und somit an einen Highlight-Status, heran. Trotzdem ist Patricks Geschichte, eine Geschichte über Trauer und Hoffnung, über das Loslassen, und über Fortschritte und Rückschläge, absolut lesenswert und erhält von mir eine klare Leseempfehlung.

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