Blogtour “Second Horizon” von E.F. v. Hainwald – Hochzivilisation

Nachdem ihr gestern bei der Weltenwanderin zu Besuch wart, seid ihr auf eurer Jagd nach Informationen nun also bei mir gelandet.

 

© Phantasmal Image

 

Wer ich bin, also mein Name, tut nichts zur Sache. Ausschlaggebend allein ist, dass ich liefere. In der Regel Informationen, die nicht für jeden zugänglich sind. Das ist mein Geschäft. Die weisen Fachleute des Schwarms würden es als illegal bezeichnen, ich nenne es Angebot und Nachfrage. Deswegen habe ich auch meine Sachen gepackt und den Schwarm verlassen. Ich fühlte mich eingeengt. Die Vorhersagbarkeit des Alltags langweilte mich, alles hatte seine unumstößliche Struktur, welche immer höheren Zielen, also der Gemeinschaft, diente.

Im Sektor der Indies ist dagegen für die richtige Anzahl an Creds fast alles möglich und zu bekommen. Für mich als Hacker der optimale Standort. Ich bin gut darin, mich unbemerkt durch das cybermagische Netzwerk zu wühlen, um das zu finden, was meine Kunden wünschen. Kunststück, habe ich mein „Handwerk“ doch im Zentrum der Hochtechnologie gelernt.

 

… Auszug aus den Datenbanken des Informations-Vernetzungs-Konzerns TECHNOLYSE …

Schwarm – biologische Bezeichnung für eine große Menge an Insekten, heutzutage gängiger Name für das aktuelle, globale Sozialsystem. Grundpfeiler:
– soziale Sicherheit
– Gleichheit der Individuen in breit gefassten Außengrenzen
– optimale Nutzung der Ressourcen (Arbeitskraft, Forschung, Entwicklung)
– System aus Schwarmverhalten der Tierwelt, Tech-Tree-Entwicklungsprinzip und wirtschaftlich-politischem Kombinat

 

Euer Anliegen, mehr über „Second Horizon“ zu erfahren, lässt sich allerdings, zugegeben, selbst durch mich nicht so einfach bedienen.

Höchste Sicherheitsstufe – kein Zugriff  blinkt auf meinem Data-Pad.

Ohne das richtige Equipment und Insiderinformationen ist da kein Durchkommen. Aber auch hier spielt mir meine Vergangenheit im Schwarm in die Hände, genauer gesagt, meine Kenntnis von einer Person – Tonie.

Nachdem sich unsere Wege trennten, hat sich Tonie zu einer Koryphäe unter den Hackern entwickelt und spielt jetzt in einer separaten Liga, weit über allen anderen. Wer tatsächlich hinter diesem Genie steckt, ist ein gut gehütetes Geheimnis. So ranken sich die Mythen um diese Person und manche munkeln sogar, Tonie hätte es irgendwie geschafft, die Ley-Linien (Energielinien, die sich schon seit Anbeginn der Zeit über die Erde verzweigen) anzuzapfen und für sich zu nutzen. Das würde erklären, warum Tonie mitten im Schwarm leben, dessen Vorteile wie Komfort und Sicherheit nutzen kann, und trotzdem mit der „Tätigkeit“ tief unter deren Radar bleibt.

Tonie zu kontaktieren, wird euch aber einen Aufschlag kosten – oder nennt es Aufwandsentschädigung. So heikle Aufträge, wie die Beschaffung dieser Top-Secret Informationen, bespreche ich lieber von Angesicht zu Angesicht. Das heißt für mich eine kleine Reise mit der Magnetschwebebahn ins Herz des Schwarms.

 

© shutterstock, Künstler: Bertrand Benoit

 

Ich schlendere über einen der öffentlichen Plätze im Zentrum von Neo-Lhasa. Es wimmelt von Menschen. Viele davon kleiden sich nach der neuesten Mode. Unter ihnen kann ich auch technisch oder genetisch veränderte Mitglieder des Schwarms ausmachen, die ihre Freizeit in einem der stylishen Cafés, fröhlich mit Freunden plaudernd, verbringen. Es herrscht eine harmonische Stimmung.

Zugegeben, Individualität wird vom Schwarm in einem gewissen Maß toleriert, doch sie hat ihre scharf gesteckten Grenzen. Ich wollte mir nie vorschreiben lassen, was richtig oder falsch, schön oder hässlich ist. Auch einer der Gründe, warum ich gegangen bin. Mein jetziges Leben unter den Indies lässt den Schwarm für mich wie eine sichere Abstufung von Grautönen erscheinen. Die geordnete Geschäftigkeit, die in meiner Jugend zum Alltag gehörte, ist mir vertraut und nun doch fremd und erdrückend. Ich bin sogar irgendwie dankbar, dass Tonie unseren Treffpunkt auf eine der Freiflächen, etliche Stockwerke über den Köpfen dieser homogenen Masse, gelegt hat.

Während der Fahrt nach oben kreisen meine Gedanken darum, ob ich heute einer Sie oder einem Er gegenübertrete. Eine Genderfixierung, wie sie in Archiveintragungen über die cybermagische Steinzeit oft zu finden ist, wurde schon vor sehr, sehr langer Zeit abgelegt. In der heutigen Gesellschaft ist es egal, was oder wer du bist, oder wem du deine Liebe schenkst, und das ist meiner Meinung nach gut so – auch der Schwarm hatte dieses natürliche Prinzip erkannt.

Leider ist Tonies Außendarstellung für mich oft nicht eindeutig, da hilft nur nachfragen. Als ich aus dem Aufzug trete, ist von Tonie jedoch nichts zu sehen. Ich vergewissere mich, ob die Daten, die ich für das Treffen erhalten habe, auch korrekt sind. Die Zeitfenster sind immer knapp bemessen, da die sich Identifizierungsscans des Schwarms nur begrenzt überlisten lassen. Ein einzelner Indie, weit abseits der gängigen Besucher- und Tourismusplätze, ruft unweigerlich das Sicherheitsprotokoll auf den Plan. Aufgegriffen und überprüft zu, werden steht heute definitiv nicht auf meinem Plan, wieder zu gehen aber auch nicht – Tonie vergibt keine zweite Chance auf ein versäumtes Treffen. Nervös tigere ich die Ebene auf und ab. Jede Minute, in der ich mich hier wie auf dem Präsentierteller befinde, scheint wie eine Ewigkeit.

Wie aus dem Nichts lehnt sie plötzlich am Geländer der Plattform, den Blick auf die Skyline von Neo-Lhasa gerichtet. Heute ist eindeutig ein weiblicher Tag. Ihr Haar ist kunstvoll hochgesteckt und lässt so einen Blick auf ihren grazilen Rücken zu – der Stoffschlitz offenbart den Schwung ihrer Wirbelsäule bis zur Taille. Die einzelnen Stoffbahnen ihres auffallend gemusterten Kleides, welches ihre Feminität unterstreicht, wehen im Wind, der in dieser Höhe allgegenwärtig ist.

© shutterstock, Künstler: Dmytro Buianskyi, Phantasmal Image

„Lange her“, begrüße ich sie lächelnd.

Tonie dreht sich zu mir um. Ihr Finger tippt kurz gegen ihr Kinn. Das Make-up aus violetten Linien lässt keinen Schluss zu, ob Tonie physisch als Mann oder Frau geboren wurde – auch wenn ihre Kleidung mir offenbart, wie sie heute betrachtet werden will.

„Was willst du?“, fragt sie mich ohne Begrüßung.

Direktheit in Vollendung, und sie hat recht. Unsere wenigen Treffen beschränkten sich immer auf das Geschäftliche, und so offenbare ich ihr mein Anliegen.

„Ich brauche Hintergrundinformationen zu Second Horizon. Da bahnt sich anscheinend was Großes an. Und Infos zu einer Frau, die darin verwickelt ist, aber keinen offiziellen Namen hat, sondern sich selbst nur als Babe bezeichnet. Keiner weiß, wo sie herkam. Sie war plötzlich da.“

Tonie quittiert meine spärlichen Angaben mit einer hochgezogenen Augenbraue, sagt aber nichts.

„Komm schon, Tonie.“ Ich versuche, sie bei ihrer Hacker-Ehre zu packen. „Dieser Auftrag liegt außerhalb meiner Möglichkeiten … für dich sollte es allerdings ein Leichtes sein.“

Es ist ihr anzusehen, wie es in ihrem Kopf arbeitet. Tonie blickt hinaus auf die Stadt. Ihre Hände steckt sie in die weiten Ärmel ihres Gewandes. Dass sie das Gesicht abwendet, bedeutet, dass sie etwas zu verbergen hat. Nach ein paar Momenten des Schweigens schaut sie wieder zu mir. Ihre dunklen Augen zeigen eine Entscheidung. Sie öffnet ihre Lippen.

Plötzlich gleiten die Aufzugtüren hinter meinem Rücken auseinander und geben fröhliches Gelächter frei. Bevor die ausgelassene Gruppe die Plattform betritt, löst sich Tonie in Luft auf – sie war offensichtlich nur eine magische Illusion, wie hat sie das angestellt? –, und ich vernehme von ihr ein gerade noch hörbares „Morgen!“

Frustriert setze ich ein Lächeln für die Passanten auf. Ich warte noch einen kurzen Moment und lasse meinen Blick über die Stadt schweifen, die sich, nicht enden wollend, vor mir ausbreitet. Die gigantischen Würfel der Megaplexe, die jeweils eine eigenständige, abgeschlossene Stadt in der Stadt beherbergen, werfen riesigen Schatten. Die Bewohner in diesen monströsen Flächen mussten glauben, es wäre bereits Nacht. Nur die höheren, zylinderförmigen Wohngebäude ragten heraus. Das, wie mit einem lineal gezogene Straßenmuster bildet eine Art Schachbrett. Sonnenlicht reflektiert sich auf dem Glas und der Stahlkeramik der Häuser. Grüne Inseln und Seen sorgen für Rückzugsorte. Ein modernes Paradies – voller Frieden, Geschäftigkeit, Fortschritt … und endloser Langeweile.

Leider kehrt Tonie nicht zurück. Auf meinem Heimweg blinkt mein Pad auf. Ich sehe eine Nachricht ohne Absender darauf.

„Frag Susanne.“

 

Der Handel mit Informationen ist ein lukratives Geschäft. Nachdem ich euch nun mitgeteilt habe, was ich in Erfahrung bringen konnte, seid ihr am Zug.

© Phantasmal Image

 

 

„Würdet ihr euch im Schwarm wohlfühlen, oder auch lieber das Weite suchen … und warum?“

 

 

Als Entschädigung bekommt ihr die Möglichkeit am Gewinnspiel teilzunehmen.
Was ihr dafür tun müsst?
Beantwortet einfach täglich die Gewinnspielfrage unter den jeweiligen Beiträgen und schon seid ihr im Lostopf. Ihr könnt euch jeden Tag ein Los sichern!
Wer nicht hier drunter kommentieren kann, der darf auch gerne eine Mail an den Autor senden.
Mail: efv.hainwald@fantasymail.de
Betreff: Blogtour ,,Second Horizon”

Teilnahmeregeln:

* Teilnahme am Gewinnspiel ist ab 18 Jahren, oder mit Erlaubnis der Eltern gestattet
* Die Bewerber erklären sich im Gewinnfall dazu bereit, öffentlich genannt zu werden
* Ein Anspruch auf Barauszahlung des Gewinns besteht nicht
* Keine Haftung für den Postversand
* Versand der Gewinne erfolgt innerhalb Deutschland – Österreich – Schweiz
* Der Rechtsweg ist ausgeschlossen
* Bitte darauf achten, eine Mailadresse zu hinterlassen, oder sich im Gewinnfall innerhalb einer Woche zu melden, da sonst der Gewinn verfällt!
* Das Gewinnspiel läuft vom 29.2.2020 – 7.3.2020 um 23:59 Uhr
* Jeder Teilnehmer, der auf allen Blogs der Blogtour kommentiert (Frage beantwortet), bekommt für jeden Tag und jeden Blog jeweils 1 Los (bis zu 7 Lose, die Gewinnchance erhöht sich automatisch)
* Die Gewinnerbekanntgabe erfolgt am 8.3.2020 via Mail und/oder den sozialen Medien des Autors.

Ihr habt einen Beitrag verpasst? 

Hier der komplette Tourfahrplan:

29.02. – Ein besonderes Abenteuer bei Reading is like taking a journey
01.03. – Cybermagische Welt bei  Die Weltenwandlerin
02.03. – Hochzivilisation hier bei mir
03.03. – Vom Himmel gefallen bei Bücher aus dem Feenbrunnen
04.03. – Namenlose Freiheit bei Bibilotta
05.03. – Himmlische Wesen bei Gwynny´s Lesezauber
06.03. – Archiveinsichten bei Magische Momente
07.03. – Verlosungsteilnahme noch möglich
08.03. – Gewinnerbekanntgabe

13 Comments

  1. Nakira

    ich lebe in meinem mini-schwarm der außerhalb der regeln und Überwachung des eigentlichen Schwarms existiert. #wolfrudel <3
    und überwachung? tja – alexa? was sagst du zu diesem thema? 😀

    1. Mein Regal voller Regenbögen

      Hi Nakira,
      du gehörst also zum Team Wolf … 🙂
      Nachvollziehbar! Mir persönlich hat es aber eine andere Figur der Geschichte ganz besonders angetan 😉

      Überwachung ist auch in der heutigen Zeit ein Thema, da hast du recht …

      LG Yvonne

    2. Angela

      Hallo,

      in einem Schwarm zu leben mag seine Vorteile haben. Aber ich würde das Weite suchen, ich halte nichts von totaler Kontrolle und ziehe es vor die Möglichkeit und Freiheit zu haben so zu leben wie ich möchte und selbst darüber zu bestimmen was richtig oder falsch ist und meine eigenen Entscheidungen zu treffen.

      Liebe Grüße
      Angela

  2. Eugenia Hense

    Hallo das war ein schöner Beitrag ❤️
    Ob ich bei ein Schwarm leben könnte wo alles kontrolliert und beobachtet wird ne danke das würde ich nicht aushalten ich brauche meine Freiheit und brauche auch an manche tagen auch mal alleine nur für mich. Und ständig beobachten zu werden ginge gar nicht dann hätte ich viel zu sehr angst was falsches zu machen und so weiter.
    Lg eugenia

  3. Christina P.

    Moin,
    danke für das exklusive Treffen mit Tonie bzw. mit Tonies Projektion.
    Ich kann verstehen, dass du dem Schwarm den Rücken zugewandt hast, mir ist meine Individualität auch wichtig. Ebenso aber auch meine Sicherheit. Daher würde ich den Weg einschlagen, den auch Tonie gewählt hat: Die Sicherheit und den Komfort des Schwarms nutzen und unter dem Schutzmantel der Angepasstheit meine Individualität mehr oder weniger geheim ausleben. Ein Leben “auf der Flucht” wäre mir auf Dauer einfach zu stressig. Wenn man weiß, auf welche Punkte beim Schwarm geachtet wird, lässt sich eine Angepasstheit auf Dauer recht gut simulieren. Ist vielleicht auch stressig, aber weniger stressig und zudem komfortabler als ein Leben als Indie.
    Friedliche Grüße,
    Christina P.

    1. Mein Regal voller Regenbögen

      Gerne geschehen 🙂
      Tonie ist ja nicht so leicht aufzutreiben XD

      Ich glaube, du bist die einzige, die sich für ein Leben im Schwarm entschieden hat … Respekt.
      LG Yvonne

  4. Simone

    Hallo,
    Auch dieser Ausflug der Tour war sehr interessant!

    Ob ich mich im Schwarm wohlfühlen würde? Never ever… Wenn ich das schon lese, dass Individualität nur begrenzt toleriert wird??? Ne, ich mag die Freiheit zu leben, wie ich es für richtig halte… Und jeder ist ja eigentlich ein einzigartiges Individuum, also klingt der Schwarm für mich eher gruselig

    Liebe Grüße
    Simone

    1. Mein Regal voller Regenbögen

      Danke dir 🙂

      Der Schwarm hat halt seine Vor- und Nachteile. Dass du lieber deine Individualität behalten möchtest, kann ich sehr gut verstehen.

      LG Yvonne

  5. karin

    Hallo und guten Tag,

    Danke für weitere Einzelheiten zum Roman.

    Hm, klar ich es schön, wenn ich nicht alleine bin….aber “Schwarm” hört sich jetzt nach extrem vielen Leuten an, sind mir die bekannt? Freunde/Familie vielleicht? Oder einfach nur so zusammen gewürfelt und die möglicherweise auch noch dauern bei mir bzw. um mich herum sind.

    Familie/Freunde das ginge schon für eine Weile, aber Fremde…

    Also ich glaube, dass würde mir auf Dauer nicht gefallen und ich würde das Weite suchen .

    Denn ich finde, jeder braucht einen kleinen Raum nur für sich und somit auch etwas private Atmosphäre….

    LG.Karin..

    1. Samantha

      huhu ^-^
      omg ist das aufregend 😮 ich glaub ich würde lieber abhauen anstatt in einer Zivilisation zu leben wo man immer beobachtet wird und alles…. ich finde schon dass man seinen Freiraum und Zeit für sich braucht.

      Ich bin sehr gespannt auf das Buch und find es jz schon sehr spannend auch die ganzen Grafiken die jedes mal dabei sind.. ein träumchen…
      liebe Grüße
      Samantha

      1. Mein Regal voller Regenbögen

        Hallo Samanthe,

        die ganze Story ist aufregend! 🙂
        Und dass dir vor der ständigen Überwachung graut, kann ich sehr gut nachvollziehen – ich würde so auch nicht leben wollen.

        LG Yvonne

    2. Mein Regal voller Regenbögen

      Hallo Karin,

      der “Schwarm” ist nicht einfach zusammengewürfelt. Also gibt es dort sicherlich auch Familienverbände und mit Sicherheit einen Freundeskreis. Die Frage ist eher, kann ich mich damit arrangieren, dass mein Leben mehr oder weniger von oben diktiert wird.

      LG Yvonne

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