„Baby, Don’t You Cry“ von Nina Kay

„Baby, Don’t You Cry“ von Nina Kay

Verlag: Self-Publishing

ISBN: 978-3753405810

Softcover: 410 Seiten

Release: Mai 2021

Genre: Contemporary, New Adult

Teil einer Reihe: –

© Klapptext, Zitat- und Coverrechte: Nina Kay

Beschreibung:

Phil hatte alles:
Einen Studienplatz an einem der besten Colleges in Kalifornien, nette Freunde, liebende Eltern und die ungetrübte Aussicht auf eine glänzende Zukunft. Dass seine Träume brüchig und auf nichts als Schulden gebaut sind, wird ihm klar, als sein Vater das gut laufende Geschäft verliert und Phil auf einen abgelegenen Campingplatz ziehen muss. Voller Angst und Sorge um seine Familie fällt es ihm schwer, seine Situation zu akzeptieren, und auch die Schönheit der Natur und die raue Freundlichkeit, mit der er an dem fremden Ort aufgenommen wird, sind nur ein schwacher Ausgleich für seinen Verlust. Lediglich Noah, der junge Mann, der wenig spricht und allein in einem riesigen Wohnmobil lebt, weckt Phils Interesse, und so groß die Unterschiede zwischen ihnen sind, so echt fühlt sich sein Leben plötzlich an. Denn Noah zeigt ihm zwischen ihren stolpernden Herzschlägen und tiefsten Wünschen nicht nur die die Hitze eines Sommers unter freiem Himmel, sondern auch, wie dunkel die Nächte dort draußen werden können, wie laut sie wirklich über Verlorenes flüstern, und wie viel ein Mensch aushält, wenn er muss.

Doch bis Phil auch begreift, dass Geld weder Hoffnung noch Trost spenden kann und Noah um beides betrogen wurde, scheint alles, was er wirklich will, wieder nur ein Traum zu sein.

Mein Eindruck:

Jede Neuerscheinung von Nina Kay löst in mir ein vorfreudiges Kribbeln aus. Durch Zufall bin ich über die Autorin gestolpert und seitdem hat sie sich für mich zu einem Garanten für wundervolle Lesestunden entwickelt. Die Messlatte liegt also hoch, und ich war gespannt, ob Phil und Noah dem gewachsen sind.

Der erste Satz:
– Hier, dachte Phil und starrte blicklos auf die Bohrlöcher in der Wand, an der vor einer halben Stunde noch der riesige Flachbildfernseher seiner Eltern gehangen hatte. –

Phil steht sprichwörtlich vor dem Nichts – Banken und Gläubiger seiner Eltern haben ihr Recht eingefordert. Der freie Fall aus einem guten Leben, das ihm Mutter und Vater bis vor kurzem noch ermöglichten, endet in einem baufälligen Wohnwagen auf einem Trailerpark irgendwo im Nirgendwo. Er ist ganz unten angelangt, genau wie alle anderen Bewohner. Jeder hier hat seine ganz persönliche Geschichte, wobei Noahs nur hinter vorgehaltener Hand erzählt wird. Noah, der niemanden näher an sich heranlässt, der schweigt und dem auch alles und noch viel mehr genommen wurde.

– Und jetzt standen sie hier und weinten umeinander, und es war so intim, wie es keine Nacktheit je sein könnte, so verflucht schwer zu ertragen. Aber vielleicht musste das sein. Vielleicht heilte man erst, nachdem man gelernt hatte, kaputt zu sein. – (S. 326)

Schon ab den ersten Seiten war es für mich wie ein nach Hause kommen, was an Nina Kays Art zu erzählen liegt. Ich liebe ihre fast schon poetische Sprache und habe bis jetzt noch nichts Vergleichbares im New Adult Bereich gefunden. Ein Punkt, warum sie für mich aus der Masse an Veröffentlichungen heraussticht und das mit jeder Veröffentlichung.

„Baby, Don’t You Cry“ lässt sich allerdings nur schwer mit ihren vorangegangenen Werken vergleichen. Glich „Some Say We Won’t“ meinem Empfinden nach einem Feuerwerkt, sehe ich bei Phils und Noahs Geschichte eher einen Sonnenaufgang vor meinem inneren Auge. Man muss sich darauf einlassen, sich Zeit nehmen, um dann mitzuerleben, wie die aufsteigende Helligkeit das Dunkel nach und nach zurückdrängt.

Mit Phil und Noah hat die Autorin wieder zwei wundervolle Charaktere erschaffen. Grundverschieden und doch gleich. Beide haben den Halt verloren, stolpern unverschuldet durch eine Welt, die aus den Angeln gehoben wurde, haben Fragen, auf die es, vor allem bei Noah, keine Antworten mehr gibt. Gemeinsam und ganz zaghaft entdecken sie, dass das Leben trotzdem noch lebenswert ist. Es sind die kleinen Dinge, die zählen. Das Vertrauen, die Nähe – nicht nur körperlich. Noah zeigt Phil, dass Glück nicht an Materielles gebunden ist und Phil spricht für Noah das aus, was dieser nicht zu sagen im Stande ist, zeigt ihm, dass Emotionen ok sind – die guten und auch die schlechten.

Eingebettet ist diese sehr berührende Geschichte in ein eher ungewöhnliches Setting. Für mich passt dies aber perfekt. Der Trailerpark und die Menschen, die mit so wenig zufrieden sind und füreinander einstehen, die Ruhe, die diese Szenerie ausstrahlt, tragen und unterstreichen die Erzählung.

Für mich setzt „Baby, Don’t You Cry“ die Reihe der wundervollen Bücher aus der Feder von Nina Kay ohne Einschränkungen fort. Sprachlich einzigartig, feinfühlig erzählt und ob der Tragik herzzerreißend schön hallen Phil und Noah noch lange nach. Von mir gibt es daher eine mehr als verdiente Leseempfehlung.

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