[Abbruch] „Girlboy: Alessia. Alex. Alex und Nina.“ von Sarah Fender

[Abbruch] „Girlboy: Alessia. Alex. Alex und Nina.“ von Sarah Fender

 

Dass ich ein Buch abbreche, kommt nicht allzu oft vor und gerade bei Rezensionsexemplaren versuche im mich durchzubeißen, auch wenn mich die Geschichte nicht wirklich abholen kann. Trotzdem gibt es sie, die Erzählungen, bei denen irgendwann Schluss ist. „Girlboy“ gehört hier leider mit dazu.

Ich habe das Buch bereits im Dezember letzten Jahres begonnen und seitdem gefühlte 100-mal in die Hand genommen. Inzwischen bin ich aber zu dem Punkt gelangt, an dem ich sage, ich lasse es bleiben, da die Geschichte und ich nicht mal annähernd zusammenfinden. Gelesen habe ich ca. das erste Drittel und somit ist das hier auch keine offizielle Rezension von meiner Seite. Ich möchte für die, die es interessiert, lediglich darlegen, woran es für mich gescheitert ist.

Sarah Fender setzt mit Alex Geschichte relativ früh in seiner Kindheit an. Ihm ist als Kind schon bewusst, dass er anders ist, dass dieses Mädchen-Ding nicht zu ihm passt. Während seiner Pubertät wird ihm klar, dass er im falschen Körper geboren wurde und so folgt auch der von ihm geäußerte Wunsch einer männlichen Anrede. Seine Freunde erfüllen ihm diesen, seine Familie lehnt ihn ab. So weit, so gut. Was mich zu dem Zeitpunkt mächtig geärgert hat ist, dass die Autorin bis zu seinem 18. Geburtstag auch an der weiblichen Anrede festhält. Was macht einen Mann zum Mann? Sind es die Geschlechtsteile? Ist es der Zeitpunkt, ab dem man ohne ein Zustimmung der Erziehungsbereichtigten seinen Ausweiß anpassen lassen kann? Muss man es daran festmachen, um in die männliche Anrede zu wechseln? Sie verweigert Alex in ihrer Erzählung das, was er sich am sehnlichsten wünscht, nämlich die Anerkennung seines wahren Ich´s. Nach Rücksprache mit Sarah Fender ein Stilmittel, welches ich absolut unsensibel gewählt finde.

Ein weiterer Punkt, warum sich in mir alles gegen das Lesen sträubt, ist, dass Sarah Fender zwar unheimlich viel erzählt, dabei aber recht oberflächlich bleibt. Man erfährt kaum etwas, wie es Alex emotional und psychisch geht. Um ein paar Beispiele zu nennen: Er wird von seiner Familie komplett abgelehnt und nimmt das gefühlt mit einem Schulterzucken hin. Er wird psychologisch betreut, aber wie es in ihm aussieht, erfährt man nicht. Ganz zu schweigen davon, was so eine „fehlende“ Identität und deren Findung mit einem Menschen macht. Mir fehlt einfach die Tiefe, die ich für ein solch sensibles Thema voraussetze, um es authentisch zu transportieren.

Diese Punkte zusammen ergeben für mich ein No-Go und haben zu meinem Abbruch geführt.

Für alle, die jetzt trotzdem neugierig sind, hier noch ein paar Eckdaten und den Klapptext zum Buch …


 

Verlag: Self-Publishing

ISBN: 979-8670698030

Softcover: 558 Seiten

Release: Juli 2020

Genre: Contemporary

Teil einer Reihe: –

© Klapptext und Coverrechte: Sarah Fender

Beschreibung:

Alex liebt es, Hamburger Bauwerke zu malen und sucht noch Motive für seine erste Ausstellung. Da lernt er in einem Internet-Forum Nina kennen, die ihm eine Idee liefert. Es knistert gewaltig und die beiden kommen sich näher. Alles könnte perfekt sein, wäre da nicht der Umstand, dass Alex als Mädchen geboren wurde – und Nina das nicht weiß. Während er noch überlegt, wann der richtige Zeitpunkt ist, um sich vor seiner großen Liebe zu outen, überschlagen sich die Ereignisse.

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